Paulownia (Paulownia spp.)


 

Kurz und knapp

  • Schnellwüchsigste Baumart der Welt, 3 – 4 m Höhenzuwachs und 4,0 – 5,5 cm BHDs im ersten Wuchsjahr sind keine Seltenheit, nach 20 Jahren ist die Paulownia mit 15 m Höhe und knapp 2 Festmeter (!) hiebsreif (Eiche nach 20 Jahren 0,01 Festmeter) 
  • Ursprünglich aus Zentral- und Westchina, wird heute weltweit besonders in Plantagen kultiviert 
  • Die winterharte und trockenheitstolerante Laubbaumart benötigt viel Licht, ist aber als typische Pionierbaumart bei der Nährstoffversorgung anspruchslos und besitzt eine äußerst breite Standortspalette und ein hohes Regenerationsvermögen (besonders in jungen Jahren) 
  • Ist in der Lage durch ihr schnellwachsendes, weit- und tiefreichendes Wurzelsystem verschiedenste Bodentypen zu erschließen 
  • Als lichtliebende Baumart sehr konkurrenzschwach und nicht invasiv 
  • Sehr leichtes Spezialholz für vielerlei Anwendungsmöglichkeiten z. B. im Leicht-, Sauna-, Sportgeräte- und Möbelbau sowie in der Holzwerkstoffindustrie  

 

Beschreibung

 

Der Begriff Blauglockenbaum oder Paulownia ist in der Literatur meist ein Synonym für die Art Paulownia tomentosa, welche unter den 8 natürlichen Paulownia-Arten als häufigste Paulownie bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika als Park- und Zierbaum angepflanzt wird. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Paulownia umfasst ganz Zentral- und Westchina; ferner sind in den temperierten Klimazonen Asiens auch Populationen in Japan, Korea, Laos, Taiwan und Vietnam bekannt. In Nordamerika hat sich die dort verwilderte Paulownia nach heutigem Stand bereits in den Appalachen etabliert und gilt dort schon länger als naturalisiert. In China kommen die Blauglockenbäume vor allem in Höhenlagen von 500 – 1800 m ü. NN in den Provinzen Gansu, Henan, Hubei, Jiangxi, Liaoning, Shanxi, Shaanxi und Sichuan vor. Hier bildet sie zusammen mit der Spießtanne (Cunninghamia lanceolata) und diversen Amberbaum-Arten (Liquidambar spp.) wichtige Wirtschaftswälder. 

Mittlerweile haben sich die Paulownien als beliebte Baumarten für Plantagen auf der ganzen Welt, mit steigender Tendenz erwiesen. Künstlich kultiviert wird sie sowohl in den gemäßigten bis subtropischen Klimazonen in Mittel- und Südwest- als auch in Südosteuropa sowie in Nordamerika, Zentralamerika, Australien, Neuseeland, Tunesien, Nigeria, Senegal und im mittleren Osten (z. B. Iran und Türkei). 

Die Paulownia erreicht Höhen von 15 – 25 m bei einem BHD von 0,35 bis 2 m und einem maximalen Alter von 60 – 70 Jahren. 

 

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft

 

In den letzten Jahren entwickelte die Paulownia immer mehr sein Image als den Klimabaum schlechthin. Diesem Ruf wird sie auf erstaunliche Weise immer wieder gerecht. Der Baum kann unter besten Bedingungen schon nach 10 Jahren geerntet werden und bietet in für einen Baum beachtlich kurzen Zeiträumen wertiges Schnittholz für viele Anwendungen. Durch sein enorm schnelles Wachstum bindet er innerhalb von nur wenigen Jahren große Mengen an CO2. Zum Vergleich: nach 20 Jahren hat die Paulownia 1197 kg CO2 gebunden, während eine Buche nur 40 kg und eine Eiche nur 26 kg CO2 binden konnte. Gerade im derzeitigem Klimawandel spielen produktive Wälder eine sehr wichtige Rolle als Kohlenstoffdioxid-Fixierer. Dazu kommt ihre sehr gute Anpassung an die kommenden und schon laufenden klimatischen Veränderungen und Extreme. Gegenüber Trockenheit und höhere Temperaturen zeigt sie sich sehr robust, obwohl sie eine gute Wasserversorgung benötigt. Stürme stellen aufgrund des intensiven Wurzelsystems kein Problem dar und auch sehr tiefe Temperaturen werden toleriert. Falls jedoch Schäden auftauchen, wie zum Beispiel Schäden durch Spätfröste, so besitzt sie ein starkes Regenerations- und Stockausschlagsvermögen. 

 

Zunächst war die Paulownia aufgrund ihrer Raschwüchsigkeit und ihres starken Verjüngungspotenzial in ihrer Invasivität umstritten. Da sie aber extrem konkurrenzschwach ist und sie auch nur bei einer leichten Vergrasung ihres Anbaugebietes Probleme bekommt, sind derlei Behauptungen nichtig. Lediglich auf sonnigen Extremstandorten in Nordamerika (Klippen, Felsvorsprünge, teilweise Straßenränder) konnte sie ein invasives Potenzial aufweisen.  

Ihr ökologischer Stellenwert ist hoch. Durch ihre Anspruchslosigkeit kann sie stark degradierte Standorte besiedeln. Durch ihr weit- und tiefreichendes Wurzelsystem wird der Boden leichter erschließbar und erhält eine höhere Wasserhaltekraft für weitere Pflanzenarten. Die Bodenchemie wird durch das nährstoffreiche und bodenpflegliche Laubstreu der Paulownia verbessert. Ihre Blüten sind eine wichtige Bienenweide und bieten auch vielen anderen Insekten eine Nahrungsquelle. Vogelarten nutzen den Baum als Brutstätte. Besonders Spechte nisten sich gerne im weichem Holz der Paulownia ein.  

 

 

Ökologie und Standort 

 

Der Blauglockenbaum hat als früh-sukzessionale Baumart eine sehr hohe Lichtbedürftigkeit und kann extreme, oligotrophe und degradierte Standorte besiedeln. Er bevorzugt im Allgemeinen aber windgeschützte, vollsonnige Areale mit gemäßigten Temperaturen (11°C - 17 °C im Jahresmittel), länger anhaltende Wärmeperioden, Jahresniederschläge von 500 - 1500 mm (bis 3000 mm) und schwach-basische (pH = 5,0 - 8,9), sandige, tiefgründige und gut drainierte Lehmböden (Porosität ≥ 50 %). Ihr Wachstum hängt eng mit der Wasserversorgung zusammen. Je besser der Wasservorrat des Bodens, desto besser das Wachstum. 

Sie bildet ein weitreichendes, tiefgründiges und spezielles Pfahlwurzelsystem, welches sich in frühen Jahren bereits sehr rasant entwickelt. Statt einer dominierenden Hauptwurzel besitzt der Baum 3 - 4 stärkere, gekrümmte Wurzeln mit zahlreichen Feinwurzeln, welche je nach Standort und Grundwasserhöhe Tiefen von bis zu 1 m erreichen können. 

 

 

Schadfaktoren

 

Gegen biotische Schadrisiken gilt der Blauglockenbaum weltweit als resistent. Bisher wurden keine auf die Paulownia spezialisierten und pathologischen Schaderreger registriert. Wurzel- und Leimlingsfäulen können bei Jungpflanzen auftreten. In Osteuropa konnte der Pilz Striegelige Tramete (Trametes hirsuta) stärkere Ast- und Stammschäden verursachen. Gegen den in der Forstwirtschaft gefürchteten Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) erwies sich die Paulownia bisher sowohl im Ursprungsgebiet als auch in Mitteleuropa als resistent. 

 

Die häufigste, relevante Krankheit ist die Hexenbesen-Krankheit (Verzweigungshypertrophie), welche durch die die Übertragung von Mykoplasmen durch pflanzensaugende Insekten (z. B. Halyomorpha picus) übertragen wird. Die Folgen sind hohe Mortalitätsraten bei jungen, und beträchtliche Zuwachsverluste bei älteren Bäumen. 

Der Blauglockenbaum wird aufgrund der nährstoffreichen und großen Blätter gerne verbissen, verträgt aber aufgrund seiner enormen Regenerationsfähigkeit sehr hohe Wilddichten. 

 

Gegenüber abiotischen Schadfaktoren zeigt sich die Paulownia erstaunlich resistent. Lediglich hohe Windstärken könnten dem Baum besonders in jungen Jahren zu schaffen machen, da die Pflanze durch ihr schnelles Wachstum schnell in windexponierte Höhen wächst und dort durch ihr leichtes Gewicht gefährdet ist. 

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 

Die Paulownia Pflanzen können von Ende April bis Anfang Juli gepflanzt werden. Je früher die Pflanzung erfolgt, desto besser ist das für die Pflanzen. Eine Bestandesbegründung erfordert unbedingt Bodenvorbereitungsmaßnahmen. Der Oberboden sollte aufgelockert und die Jungpflanzen sollten mit z. B. Mulchplatten abgedeckt werden, um sie vor der Konkurrenzvegetation zu schützen. Es bietet sich ein Anbau auf Frei-, Sturm-, Stör- und Ackerflächen an. Hier sollte differenziert werden zwischen einer Energieholz- und einer Wertholzplantage. Für die Energieholgewinnung bieten sich pflanzabstände von 2 x 2 m mit 2.500 Pflanzen je Hektar an. 

 

  • Pflanzung: Pflanzverbände von 2 x 4 m mit 1.250 Stk./ha (Wertholz), kompletter Rückschnitt der Pflanze nach dem ersten Jahr empfehlenswert (Etablierung des Wurzelsystems hat Vorrang), regelmäßige Entfernung der Konkurrenzvegetation erforderlich, Grünastung 
  • Erste Läuterung (nach ca. 4 Jahren): Reduzierung der Abstände auf 4 x 4 m, erste Z-Baumselektion, Grünastung 
  • Zweite Läuterung (nach ca. 8 Jahren): erneute Reduzierung der Abstände auf 6 x 4 m (rechnerisch), ggf. Grünastung 
  • Endnutzung (nach 12 – 15 Jahren): Ziel sind 417 Z-Bäume je Hektar 

 

Für eine Plantagenbewirtschaftung eignet sich die Paulownia hervorragend. Im Wald kann die Paulownia zur Wiederaufforstung von Frei-, Sturm-, Stör- und Ackerflächen dienen und z. B. als Vorwald begründet werden. Auch bietet das ForstPlus-Konzept der Cathaia eine wirtschaftlich und ökologisch interessante Möglichkeit, Rückegassen zwischen den Durchforstungsmaßnahmen angrenzender Bestände sinnvoll mit einem Anbau der Paulownia zu nutzen und sogar die dort herrschenden Bodenbedingungen (Verdichtung, Nässe) deutlich zu verbessern. Beim nächsten Eingriff im Hauptbestand können die schnellwüchsigen Paulownien in den Rückegassen bereits geerntet werden. Im geschlossenen Bestand eignet ein Paulownia-Anbau nicht, da die Jungpflanzen mit jeglicher Konkurrenzsituation nicht zurechtkommen. 

 

 

Holzeigenschaften

 

Das Holz des Blauglockenbaumes, auch Kiri genannt, ist hell, bleich honigfarbig, seidenmatt und besitzt markant breite Jahrringe. Nach Balsa (Ochroma pyramidale) bildet es das leichteste Holz auf dem Markt aus, besitzt aber weitaus bessere Festigkeitseigenschaften. Es ist leicht zu bearbeiten, verzieht und krümmt sich kaum (hohe Dimensionsstabilität) und nimmt nur äußerst wenig Wasser auf. Als leichtes Holz besitzt es sehr gute Isolationseigenschaften (elektr. Strom, Hitze, Kälte). 

Es findet vielerlei Verwendung als Ausstattungsholz im Möbel-, Sauna-, Sarg- Boots, Fahrzeug-, Karavanenbau und im Innenausbau (Fassaden, Verkleidungen, Profile, Furniere). In der Herstellung von Sportgeräten, besonders Surfbretter, ist es sehr beliebt. Des Weiteren findet es Verwendung als Verpackungsmaterial, Haushalts- und Dekoartikel und als sehr gutes Klangholz in der Herstellung von Musikinstrumenten (z. B. Gitarrenkorpus- und -hals, traditionelle chinesische Mondgitarre Yueqin). 

 

Zukünftig kann es als Massenholz in der Holzwerkstoffindustrie eine sehr wichtige Rolle spielen. 

 

 

 


Quellen

 

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