Bergahorn (Acer pseudoplatanus)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!


Bergahorn (8010 08/09) - für 2021

 

Acer pseudoplatanus

Herkunft: 8010 08/08

Qualität: 2-jährig 1/1 im Container 

Größe: 30-50cm

Versand: 05.10.2021/oder Absprache

 

ab 1,75€ je Pflanze
 

83,70 €

  • 7 kg
  • verfügbar
  • Versand siehe Artikelbeschreib.1


Kurz und knapp

  • Einheimisches und wertvolles Edellaubholz, dessen Form in den feucht-kühlen mittleren bis höheren Lagen Mitteleuropas bis 1.200 ü. NN seit Millionen von Jahren verbreitet ist und sich nur wenig verändert hat
  • Wächst bis zu 35 m hoch und bildet ein dekoratives und beliebtes Holz für den Innenausbau und den Musikinstrumentenbau (Riegelahorn)
  • Besitzt eine ähnliche Klimatoleranz wie die Rotbuche (Fagus sylvatica) und eine hohe Anpassungsfähigkeit an wärmere und trockenere Verhältnisse (großes Verbreitungsgebiet)
  • Hat von allen Baumarten im Bergmischwald das höchste Verjüngungspotential mit relativ hoher Keimrate (31 – 43 %)
  • Trägt sehr zur Stabilisierung von Mischwäldern bei und besitzt einen hohen ökologischen Wert (Bienenweide, Lebensraum für zahlreiche Lebewesen, hohe Bodenpfleglichkeit der Blattstreu)

Vorteile:

+ breites Verbreitungsspektrum ähnlich der Rotbuche

+ sehr gute Verjüngungsfreudigkeit

+ bei guter Pflege Garant für ein hochpreisiges Holz

 

Nachteile:

- konkurrenzschwach

- verlangt eine sehr gute Nährstoff- und Wasserversorgung



Bergahorn - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Mächtige, rundlich bis kuppelförmige Krone, silbrige bis graubraune Borke blättert schuppig ab

Höhe 30 - 40 m
Durchmesser (BHD) bis 2 m

Wuchstempo

mäßig
Wurzelsystem Sehr variabel; Senker- bis Herzwurzelsystem
Lebenserwartung   200 - 500 Jahre
Hiebreife 80 – 120 Jahre

Standort

Verbreitung Heimisch (Europa bis Kleinasien)
Boden Frisch-feucht, tiefgründig, humus- und basenreich
pH-Wert 6 - 8
Nährstoffbedarf mäßig - hoch
Wasserbedarf mäßig - hoch
Lichtbedarf Halbschattenbaumart
Jahrestemperatur (Ø) 3 – 12,5 °C
Trockenheitstoleranz mäßig
Staunässetoleranz niedrig – mäßig (zeitweise)
Frosthärte hoch (in der Jugend spätfrostgefährdet)

Pflanzung

Pflanztermin Herbst
Pflanzabstand 2 x 1.5 m; 2 x 1 m
Verbiss

mäßig

Konkurrenzkraft

mäßig

Holz

Aussehen Gelblichweiß bis fast weiß mit feinporiger und gleichmäßiger Maserung
Rohdichte 530 – 790 kg/m3
Besonderheit

Einer der wichtigsten Holzarten für den Instrumentenbau mit seidenartigem Glanz nach dem Hobeln

Verwendung

Instrumente, Furnierholz, Sperrholz, Innenausstattung, Möbel

Blatt

Form Handförmig gelappt, grob gesägt, rötlich gestielt
Größe 8 – 20 cm breit
Herbstfärbung

Goldgelb bis rot

Laub

sommergrün

Blütenstand

Form Walzenförmig in hängenden Trauben
Farbe Gelblich grün
Größe

6 - 12 cm lang

Blütezeit

 Mai

Frucht

Form Spaltfrucht mit zwei einsamigen Teilfrüchten; „Propeller“
Farbe Grün bis leicht rötlich
Größe Ca. 3 cm lang
Reife September - Oktober
Essbar ungenießbar

Beschreibung

 

Die Gattung Acer (Ahorne) besiedelt mit ihren heute 150 verschiedenen Vertretern seit Millionen von Jahren die Erde. Zusammen mit dem Spitzahorn (Acer platanoides) ist der Bergahorn die wichtigste wirtschaftliche Ahorn-Art in Mitteleuropa und wird sowohl forstlich als auch als Allee- und Parkbaum genutzt und geschätzt. Er kommt vor allem in den subatlantischen bis submediterranen Klimalagen bis 1.200 ü. NN vor, wo er eine typische Baumart des Hügellandes und des Bergwaldes ist. Seit Verbreitungsgebiet reicht von Nordspanien bis zum Schwarzen Meer und Sizilien.

 

Neben seinen charakteristischen handförmigen und fünflappigen Blättern und seinen propellerartig geflügelten Samen besitzt er eine große kulturelle Bedeutung. Beispielsweise wurden die Blätter zu Kriegszeiten als Salat genutzt, traditionelle Anlässe wurden unter der Krone abgehalten und das berühmte trojanische Pferd wurde aus Ahornholz erbaut.

 

Der Baum wird bis zu 35 m hoch, 2 m stark und über 500 Jahre alt.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Der Bergahorn konnte sich in Millionen von Jahren ein sehr weites Verbreitungsgebiet erschließen. Dies spricht deutlich für eine hohe Anpassungsfähigkeit gegenüber verschiedenen Wuchsbedingungen. Diese Flexibilität kommt dem Bergahorn auch im Klimawandel und den damit einhergehenden steigenden Temperaturen zugute. Er zeigt eine ähnliche Klimatoleranz wie die Rotbuche (Fagus sylvatica) und ist in der Lage naturnahe Mischwälder zu stabilisieren.

 

Neben seiner Klimarobustheit hat A. pseudoplatanus eine sehr wichtige ökologische Rolle. Neben seiner Standorts- bzw. Humusverbesserung bietet er zahlreichen Vogel- und Insektenarten Lebensraum und Nahrung. Die in den Alpen vorkommenden Bergahornweiden sind Kulturrelikte mit besonderen Wert für die Biodiversität. An den untersuchten Exemplaren in der Schweiz wurden 176 Moosarten und 232 Flechtenarten gefunden, wovon 51 auf der Roten Liste zu finden sind.

 

Die Erhaltung und Förderung von Bergahornbeständen spielte sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht schon vor dem Klimawandel eine große Rolle. Durch den Aufbau von klimatisch toleranten, naturnahen und stabilen Mischwäldern wird diese Rolle noch wichtiger.

 

Ökologie & Standort

A. pseudoplatanus ist vorwiegend in gut wasser- und nährstoffversorgten Bergwäldern als Halbschattenbaumart zu finden. Er benötigt tiefgründige, frische bis feuchte, humus- und basenreiche Böden und wächst dort in Kombination mit seiner guten natürlichen Verjüngung teilweise als Pionierbaumart, und spielt deswegen als Schutzwaldbaumart in Bergwäldern eine wichtige Rolle. Diese sind unter anderem steinschlaggefährdet, mechanische Beschädigungen kann der Bergahorn gut kompensieren.

 

Der Bergahorn kann kurzweilige Überflutungen tolerieren, meidet aber zu nasse oder wechselfeuchte sowie sehr saure Standorte. Er bevorzugt kühles, luftfeuchtes Klima. Unter optimalen Bedingungen zeigt er ein schnelles Wachstum in der Jugend und erreicht frühe Zuwachskulminationen und hohe Wertleistungen.

 

Über das Wurzelwerk bestehen große Wissenslücken, da der Bergahorn sein Wurzelsystem sehr variabel und je nach Wuchsbedingungen unterschiedlich entwickeln kann. Meist wächst es in der Jugend sehr tiefreichend und bildet über die Zeit eine weitstreichende und tiefgründige Mischform aus Senker- und Herzwurzelsystem. 

 

 

Schadfaktoren

 

Sämtliche Vertreter der Gattung Acer gelten als „pilzfreundlich“ und können von einer Vielzahl von Blatt-, Rinden- und Triebkrankheiten befallen werden. Viele stellen allerdings keine ernsthafte Gefährdung dar. Es sei die Teerfleckenkrankheit, verursacht durch Rhytisma acerinum zu nennen, welche neben der Rotpustelkrankheit (Nectria cinnabarina) am häufigsten auftritt. Gefährlicher sind beispielsweise die Verticillium-Welke (Verticillium dahliae), welche bei jungen Bäumen meist tödlich endet, und die Rußrindenkrankheit (Cryptostroma corticale), welche auch für den Menschen gesundheitliche Schäden verursachen kann. Auch sollten Verbissschutzmaßnahmen berücksichtigt werden.

 

Gegen abiotische Schadrisiken ist der Ahorn gut gewappnet. Er verträgt sowohl Hitze auch Trockenheit gut, wird aber bei längeren Dürreperioden durch Stress anfällig gegenüber Schadorganismen. Er ist winter- und frosthart, junge Bäume sind jedoch empfindlich gegenüber Spätfrost. Länger andauernde Überflutungen verträgt der Bergahorn nicht.



Waldbauliche Behandlungsempfehlung

  • Pflanzung bis Jungwuchs (bis 3 m Oberhöhe): Pflanzung von 1 – 3-jährigen Pflanzen (3.000 Stk./ha). Es sollte ein enger Pflanzverband gewählt werden, um Dichtstand und Seitendruck für ein gerades und gleichmäßiges Wachstum im schnellwüchsigen Jungstadium zu gewährleisten. Ziel ist ein Jungbestand mit dichter Dickung, welcher in der Regel nur ein bis zwei schwache Pflegedurchgänge (Negativauslese) benötigt. Dabei werden Protzen und schlecht geformte Bäume geringelt oder geköpft, nicht entnommen, um die Dickung zu erhalten
  • Dickung (7 – 12 m Oberhöhe): Negativauslese, Erhaltung von standortgerechten Mischbaumarten zur Erhöhung biologischer Vielfalt
  • Z-Baumauswahl (12 – 18 m Oberhöhe): Auswahl der Z-Bäume nach Vitalität und Stammform. Die Z-Bäume sollten so freigestellt werden, dass zwischen den einzelnen Bäumen 12 m Regelabstand herrscht. Dies ergibt 60 - 80 Stk./ha. Die Freistellung und der Aufbau des Z-Baumbestandes sollte stufenweise erfolgen, um optimale und astfreie Wuchsformen zu erzielen und die Bildung von Wasserreisern zu verhindern (nicht mehr als zwei Bedränger entnehmen)
  • Hiebsreife wird in der Regel bei einem BHD von 55 cm erreicht

In Bergmischwäldern vergesellschaftet sich der Bergahorn mit der Fichte (Picea abies), der Rotbuche (Fagus sylvatica), der Weißtanne (Abies alba) und standortsbedingt seltener mit der Eiche (Quercus robur; Quercus petraea). Gegen die konkurrenzstarke Buche ist der Bergahorn waldbaulich gezielt zu unterstützen.

 

Holzeigenschaften und Verwendung

Das hellfarbige, dezent gezeichnete Holz zeigt im gehobelten Zustand einen seidenartigen Glanz. Es ist nicht dauerhaft, mittelschwer, hart und besitzt gute Elastizitäts- und Festigkeitseigenschaften sowie eine sehr hohe Abriebfestigkeit. Es arbeitet und schwindet nur äußerst wenig, weswegen zum Beispiel das geriegelte Ahornholz gerade in der Herstellung von Streichinstrumenten hoch gehandelt wird.

Des Weiteren findet es zahlreich Anwendung als Furnier- und Möbelholz und im Innenausbau (z. B. Fußböden, Treppen, Türen).


Bilder


Quellen

Aas, G.; Schmidt, P. A.; Höllerl, S.; Mosandl, R.; Schmidt, O.; Wulf, A. (2009): Beiträge zum Bergahorn – Berichte der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. LWF Wissen 62.

 

Bayrische Forstverwaltung für Wald und Forstwirtschaft (2019): Praxishilfe – Klima, Boden, Baumartenwahl. Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. LWF Wissen.

 

GD-Holz (2020): Ahorn – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/ahorn.html.

 

Häne, K. (2009): Baum des Jahres 2009. Der Bergahorn. Bündnerwald 62, 5: 85-87.

 

Hein, S. (2004): Produktionsziele mit Bergahorn und Steuerung des Wachstums. AFZ-Der Wald 3/2005, S. 150-152.

 

Hessenforst (2016): Hessische Waldbaufibel – Grundsätze und Leitlinien zur naturnahen Wirtschaftsweise im hessischen Staatswald.

Februar 2016, HessenForst.

 

Höllerl, S.; Mosandl, R. (2009): Der Bergahorn im Bergmischwald – unübertroffen in seinem Verjüngungspotential. LWF Wissen 62, S. 24 – 28.

 

Kiebacher, T.; Scheidegger, C. (2017): Bergahornweiden im Alpenraum – Kulturrelikt und Hotspot der Biodiversität. https://kbnl.ch/2017/12/14/bergahornweiden-im-alpenraum-kulturrelikt-und-hotspot-der-biodiversitaet/.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Ruhm, W.; Englisch, M.; Starlinger, F.; Geburek, T.; Neumann, M.; Perny B. 2016: Mischbaumart Esche, Bergahorn und Vogelkirsche (Edellaubhölzer). BFW-Praxisinformation, Wien, (41): S. 19 - 23

 

Schnydrig, S. (2017): Bergahornweiden: Ein Eldorado für Moose und Flechten. Medienmitteilung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL vom 14.08.2017.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.