Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • Lebendes Fossil, welches erst 1941 in den schwer zugänglichen Bergregionen Zentralchinas entdeckt wurde
  • In der Standortwahl anspruchslos, benötigt optimalerweise feuchte Lagen bei sehr niedrigem Konkurrenzdruck
  • Sehr raschwüchsig auf optimalen Standorten und tolerant gegenüber Trockenheit und sehr tiefen Wintertemperaturen
  • Im Herkunftsgebiet stark vom Aussterben bedroht und seit den 40er Jahren unter strengem Naturschutz
  • Leichtes, weiches und dauerhaftes Holz sehr vielseitig einsetzbar im sowohl Außen- als auch Innenbereich

Vorteile:

+ anspruchslos in der Nährstoffversorgung, besiedelt auch saure Standorte

+ beachtliche Wuchsleistung

+ kommt gut mit Trockenheit zurecht

+ vielseitig verwendbares Holz

 

Nachteile:

- spätfrostgefährdet

- sehr konkurrenzschwach

- wenige forstliche Anbauerfahrungen in Deutschland



Urweltmammutbaum - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Kegelförmige, lockere, später breite Krone mit oft spannrückigem Stamm und rotbrauner bis fuchsroter Borke mit markanten Kehlungen

Höhe 30 – 50 m
Durchmesser (BHD) 1 – 2,2 m

Wuchstempo

Mäßig - hoch
Wurzelsystem Flach- bis Senkerwurzler
Lebenserwartung   2.000 – 3.000 Jahre
Hiebreife k. A.

Standort

Verbreitung Zentralchina (Hochlagen Sichuans und Hubeis)
Boden Feucht (Auwälder), leicht sauer, sandig-lehmig, optimal basenreich
pH-Wert 5,5 – 7,5
Nährstoffbedarf gering - mäßig
Wasserbedarf hoch (hohe Luftfeuchte)
Lichtbedarf Lichtbaumart
Jahrestemperatur (Ø) 7 – 18 °C
Trockenheitstoleranz mäßig
Staunässetoleranz mäßig
Frosthärte gering – mäßig (spätfrostgefährdet)

Pflanzung

Pflanztermin Frühjahr
Pflanzabstand 4 x 5 m
Verbiss

gering - mäßig

Konkurrenzkraft

gering

Holz

Aussehen Heller, breiter Splint mit rotbraunem Kern und grobfaseriger Textur
Rohdichte 290 - 380 kg/m³
Besonderheit

Weich, sehr leicht und gut bearbeitbar

Verwendung

Vielseitig im Außen- als auch im Innenausbau ohne höhere Druckbelastung

Nadeln

Form Flach, spiralig bis gescheitelt angeordnet, weich, stumpf
Größe 0,8 – 3,5 cm lang, 0,1 – 0,25 cm breit
Farbe

Blaugrün, unterseits hellgrün, im Herbst zartrosa-gelb bis lachsrot bis kupferbraun

Laub

sommergrün

Blüte

Form Überhängend, kätzchenartig (♂), kugelige Zäpfchen (♀)
Farbe Grün-braun (♂), gelblich-grün (♀)
Größe

5 - 10 cm lang (♂), 0,5 - 0,6 cm lang (♀)

Blütezeit

Februar - April

Zapfen

Form Fast kugelig, lang gestielt und hängend
Farbe Matt- bis graubraun
Größe 1,5 – 3 cm groß
Reife November - Dezember

Beschreibung

Wie man bereits aus dem Namen entnehmen kann, ist der Urweltmammutbaum ein lebendes Fossil. Obwohl die Art schon seit Jahrtausenden die Erde bevölkert, wurde sie erst 1940 zunächst als Fossil entdeckt und als eigene Nadelbaumart identifiziert. Nur ein Jahr später wurde 1941 ein Reliktstandort des Baumes in den unzugänglichen Bergregionen Chinas (im östlichen Sichuan) entdeckt. In diesen kleinen Rückzugsgebieten von ca. 1.000 km² Größe wächst er in artenreichen und lichtexponierten Bergmischwäldern zwischen 100 und 1.500 ü. NN und steht dort unter Naturschutz. Als einzige rezente Art der Gattung Metasequoia gehört er zusammen mit dem Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) und dem Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) zur sehr kleinen Unterfamilie der Mammutbäume (Sequoioideae). Seit seiner Entdeckung wird er weltweit als beliebter Zierbaum in Städten, Parks und Gärten gepflanzt und ist dort auch unter den Namen Chinesisches Rotholz, Dawn Redwood, Metasequoie oder Wassertanne bekannt. Es sind auch einzelne forstliche Versuchsanbauten, z. B. in Baden-Württemberg bekannt. Neben bspw. den Lärchen und der Sumpf-Zypresse (Taxodium distichum) zählt er zu den wenigen laubabwerfenden Nadelbäumen.

 

Der Urweltmammutbaum erreicht Höhen von 30 – 35 m, selten bis 50 m, und einen Brusthöhendurchmesser von 1 – 2,2 m. Es wird ein Höchstalter von ca. 420 Jahren erreicht.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Im natürlichen Verbreitungsgebiet gedeiht die Metasequoie sowohl auf feuchten und leicht sauren Böden als auch in Gebieten mit weniger als 450 mm Jahresniederschlag. Er mag warme Klimate, ist dennoch winter- und frosthart und gilt als eine schnellwachsende Baumart. Diese Eigenschaften, und ihre Anspruchslosigkeit gegenüber ihrer Nährstoffversorgung könnten sie zu einer geeigneten Baumart im Klimawandel machen, welche sogar für den forstlichen Bereich anbauwürdig sein könnte.

 

Ökologie & Standort

Der Urweltmammutbaum verlangt frisch-feuchte, tiefgründige Böden, aber zeigt bis auf weiteres keine großen Ansprüche an den Boden und wächst unabhängig von der Bodenart und des pH-Wertes gut. Es werden auch Standorte mit weniger Jahresniederschlag (400 – 450 mm/Jahr) toleriert. Bevorzugt werden warm-feuchte Klimalagen in Bachtälern, Auwäldern und an Seeufern. Als ausgesprochenes Lichtgehölz verträgt er Konkurrenzvegetation und Bedränger in der Mischung nur schlecht.

 

Als Wurzelsystem wird zunächst ein weitstreifendes Flachwurzelsystem gebildet, welches sich mit der Zeit in die Tiefe verlagert. 

 

Schadfaktoren

Eine besondere Anfälligkeit zeigt die Metasequoie in der Jugend gegenüber den Erregern der Umfallkrankheit, die Rhizoctonia- und Pythium-Pilze. Die höchste Gefahr geht in Beständen jedoch vom Hallimasch aus. Diverse schädliche Insekten befallen den Baum, darunter auch der gefürchtete Asiatische Laubholzbock (Anoplophora glabripennis).

 

Die stärksten Ausfälle werden aber durch zu starken Dichtstand und wenig Lichteinfall hervorgerufen. Extreme Sommertrocknis und strenge Spätfroste werden nur schlecht, trockene Wintermonate hingegen sehr gut ertragen.

Schäden durch Wildverbiss sind unbedeutend, Mäusefraß kann vorkommen.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Forstwirtschaftliche Erfahrungen sind im Mitteleuropa sehr selten bis gar nicht vorhanden. Zur Pflanzung weite Verbände empfohlen (4 x 5 m), optimalerweise im Reinbestand. Es bietet sich aufgrund der äußerst geringen Konkurrenzkraft des Urweltmammutbaumes die Pflanzung auf Freiflächen an.

 

Holzeigenschaften und Verwendung

Als Holzart-Bezeichnung „Dawn Redwood“ oder „Chinesisches Rotholz“ ist es momentan äußerst selten auf dem Markt zu finden. Der helle, recht breite Splint ist scharf vom rotbraunen Kern getrennt. Die Textur des Holzes ist gerad- und sehr grobfaserig und ungleichmäßig. Über die Eigenschaften und Verwendung ist bisher sehr wenig bekannt, sie können aber vorerst mit denen des Kalifornischem Redwoods gleichgesetzt werden. Bisher zeigte sich das Holz aber als sehr leicht und gut bearbeitbar. Die bisherigen Stammholzqualitäten fielen aufgrund der starken Spannrückigkeit eher schlecht aus.



Bilder



Quellen

GD-Holz (2020): Redwood – Holz-ABC. https://www.holzvomfach.de/fachwissen-holz/holz-abc/redwood/.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.