Speierling (Sorbus domestica)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!


Speierling - für 10-2021


Sorbus domestica

Herkunft: ohne

Qualität: 2-jährig 1/1 im Container 

Größe: 30-50cm

Versand: 05.10.2021/ oder Absprache

 

ab 3,29€ je Pflanze

 

89,85 €

  • 7 kg
  • verfügbar
  • Versand siehe Artikelbeschreib.1


Kurz und knapp

  • Sehr selten gewordenes, heimisches Wildobstgehölz (Rote Liste), welches bis zu 30 m hoch und bis über 1 m stark wachsen kann und den Hügel- und Berggebieten im südwestlichen Mitteleuropa, in Kleinasien (bis Schwarzes Meer) und in Nordafrika natürlich vorkommt 
  • Wird häufig mit der Vogelbeere (Sorbus aucuparia) verwechselt, da diese dem Speierling im Habitus sehr ähnelt (beste Unterscheidungsmerkmale Borke und Früchte); Verwechslung im Hinblick auf die waldbauliche Behandlung problematisch, da der Speierling anspruchsvoller, lichtbedürftiger, langsamer wachsend und weniger robust ist als die anspruchslose Vogelbeere 
  • Wurde durch den Waldwandel von der Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung hin zur Hochwaldbewirtschaftung benachteiligt; Nachzucht gestaltet sich als schwierig und sehr aufwändig (hohe Konzentration an keimhemmenden Stoffen), was in der Natur durch den hohen Verbiss an den jungen, vom Wild begehrten Trieben zusätzlich erschwert wird 
  • Sehr Lichtbedürftig, bodenvag, trockenheitstolerant, wärmeliebend und konkurrenzschwach; gedeiht vorwiegend auf eher trockenen, kalkreichen Böden 
  • Das wertvolle, dekorative, fein strukturierte Holz hat einen rotbraunen, teilweise gestreiften Farbkern und gilt neben dem Holz der Hainbuche (Carpinus betulus) als schwerste, heimische Holzart; findet Verwendung als Furnier und Schnittholz, die Früchte sind nach längerem Liegen oder Frost essbar und können zu Schnaps oder Marmeladen verarbeitet werden

Vorteile:

+ verkraftet Trockenheit und Hitze sehr gut

+ wichtiger Lebensraum und Nahrungslieferant für zahlreiche Tiere

+ besitzt bei guter Pflege eines der wertvollsten Hölzer auf dem Markt

+ wertholzträchtige Ergänzung von Waldrändern

 

Nachteile:

- benötigt Standorte mit optimaler Nährstoffversorgung

- sehr konkurrenzschwach

- hoher Pflegeaufwand

 



Speierling - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Schmal kegelförmige, später rundliche bis eiförmige Krone, dunkel-graubraune Borke rau, rissig und kleinschuppig

Höhe 20 – 35 m
Durchmesser (BHD) 0,8 – 1,4 m

Wuchstempo

langsam – mäßig
Wurzelsystem Pfahl-, später Herzwurzler (stark verzweigt)
Lebenserwartung   150 – 400 Jahre
Hiebreife 120 – 140 Jahre

Standort

Verbreitung Mitteleuropa bis Nordafrika und Türkei (vom Aussterben bedroht)
Boden Basen- und kalkreich, sandige und auch sehr tonige Böden, sowohl flach- als auch tiefgründig, nicht wechselfeucht, nass bis staunass
pH-Wert 6,5 – 8,5
Nährstoffbedarf mäßig - hoch
Wasserbedarf niedrig - mäßig
Lichtbedarf hoch (Lichtbaumart)
Jahrestemperatur (Ø) 7 – 14 °C
Trockenheitstoleranz hoch
Staunässetoleranz niedrig
Frosthärte niedrig - mäßig

Pflanzung

Pflanztermin Herbst
Pflanzabstand 4 x 4 m; 4 x 5 m; 6 x 6 m
Verbiss

hoch

Konkurrenzkraft

niedrig

Holz

Aussehen Sandfarbener bis fahlrötlicher Splint mit hell- bis dunkelrotem Kern, sehr feine Struktur (ähnlich der Elsbeere)
Rohdichte 790 - 830 kg/m³
Besonderheit

Qualitativ hochwertiges und sehr seltenes Holz

Verwendung

Furniere, Möbel, Musikinstrumente, Intarsien, Innenausbau

Blatt

Form Gefiedert mit langem Stiel, scharf gesägt
Größe 25 cm lang, 10 cm breit (Blättchen 3 – 5 cm lang)
Herbstfärbung

Gelb-orange bis rot

Laub

sommergrün

Blütenstand

Form Zahlreiche Blüten in Rispen
Farbe Weiß bis rötlich
Größe

ca. 2 cm

Blütezeit

Mai - Juni

Frucht

Form Birnen- bis apfelförmig
Farbe Grüngelblich oder rötlich, reif schokoladenbraun
Größe 2 – 4 cm
Reife September bis Oktober
Essbar  ja

Beschreibung

Der Speierling, auch Sperling genannt, ist eine in Mitteleuropa äußerst selten gewordene Laubbaumart. Deutschland bildet die nördliche Grenze des natürlichen Verbreitungsgebietes, welches sich über Gibraltar bis nach Nordafrika und der Krim zieht. Er bevorzugt warmes, mediterranes Klima, weswegen sein Verbreitungsschwerpunkt sich auf den Mittelmeerraum und in Deutschland auf die südlichen bis südwestlichen Weinbauregionen konzentriert. Aufgrund seiner geringen Konkurrenzkraft, seinem langsamen Wuchs und der sich geänderten Betriebsform im Forst (von Niederwald zu Hochwald) wurde sein Vorkommen auf äußerst kleine Populationen reduziert, weshalb er nun vom Aussterben bedroht ist. Die Wahl zum Baum des Jahres 1993 sollte die Aufmerksamkeit wieder auf den interessanten, ökologisch wertvollen Speierling lenken und Fördermaßnahmen in Gang setzen.

 

Meist eher klein bleibend kann der Speierling bei guter Pflege und im Bestand Höhen von 20 – 35 m und einen BHD von über 1 m erreichen. Sein maximales Alter beträgt 150, seltener auch bis zu 400 Jahre.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Die Prognosen für den Speierling im Klimawandel sind positiv. So wird sich das potenzielle Verbreitungsgebiet durch die Erwärmung deutlich erweitern, da seine Trockenheitstoleranz nah an die Trockenheitsgrenze des Waldes reicht. Im Zuge der Förderungen von (Laub-)Mischwäldern werden viele Baumarten miteinander kombiniert. Hier kann der Speierling bspw. optimal zur Bepflanzung von Waldrändern dienen. Er besitzt nicht nur einen hohen ökologischen Stellenwert aufgrund seiner großen Blüten und schmackhaften Früchte, sondern bietet bei optimaler Pflege ein sehr wertvolles Holz für die Furnier- und Möbelindustrie.

 

Ökologie & Standort

Die favorisierten Standorte und Klimabedingungen des Speierlings ähneln der der Elsbeere. Optimal sind tiefgründige, ausgesprochen basen- und kalkreiche Böden mit einer guten Durchlüftung. Bei der Bodenart ist der Speierling nicht wählerisch, er besiedelt sowohl flachgründige Rendzinen als auch strenge und schwere Tonböden. Komplementär zu seiner hohen Trockenheitstoleranz ist seine geringe Verträglichkeit gegenüber sehr feuchte bis staunassen Böden, welche gemieden werden.

 

Er benötigt warme Temperaturen und ist lichtbedürftiger als die Elsbeere, was ihn kombiniert mit seinem langsamen Wuchs sehr konkurrenzschwach macht.

 

S. domestica bildet ein tiefes Pfahlwurzelsystem aus, welches sich später grob zum Herzwurzelsystem verzweigt.

 

Schadfaktoren

Wie bei den meisten Wildobstgehölzen hat auch der Speierling mit vielen pilzlichen Schaderregern zu kämpfen und ist in allen Altersstufen gefährdet. Als Beispiele seien hier die Umfallkrankheit und Phytophtora-Pilze beim Keimling und Apfelschorf und Feuerbrand bei älteren Bäumen genannt. Sehr anfällig ist er auch gegen Wildverbiss und Mäusefraß. Gegen pathogen wirkende Insekten ist der Speierling hingegen resistent.

 

Spätfröste und Überflutungen können den Baum gefährden, gegen Sturm und lange Trockenperioden ist aber sehr gut gewappnet.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 Eine Einführung in den Bestand erfolgt üblicherweise trupp- bis gruppenweise. Aufgrund der hohen Lichtbedürftigkeit und der geringen Konkurrenzkraft bietet sich der forstliche Anbau auf Freiflächen, Waldrändern oder Wildäsungflächen an. So kann eine vollständige Umlichtung des Speierlings gewährleistet werden. Ein Anbau auf Streuobstwiesen ist ebenfalls möglich. Bei der Anpflanzung im Bestand sollte beachtet werden, auch die ankommende Naturverjüngung anderer Arten zu unterdrücken. Die Anpflanzung sollte im 4 x 5 m Verband begründet werden, breitere Abstände begünstigen den Speierling.

 

Für die Produktion wertvollem Stammholzes ist eine aufwändige Pflege notwendig. Im Jugendstadium ist Verbissschutz ratsam. Die Auswahl und Freistellung von 100 – 150 Bäumen erfolgt frühzeitig mit einem Abstand von 8 – 10 m. Ab Schaftlängen von 4 – 6 m werden 50 – 100 Z-Bäume ausgewählt. Durchforstungen und ggf, Wertastungen erfolgen danach in Abständen von 2 – 3 Jahren, später alle 5 Jahre. Der Speierling ist mit 120 – 140 Jahren hiebsreif.

 

Holzeigenschaften und Verwendung

Festes und schweres Holz mit fahlgelben Splint und rötlichem, teilweise gestreiftem Kern, im Aussehen ähnlich dem der Elsbeere. Das Holz des Speierlings besitzt eine feine Struktur mit einer sehr zarten Fladerung und deutlich erkennbaren, abgesetzten Jahrringen.

 

Zusammen mit der Hainbuche gilt das Holz als das schwerste heimische Holz. Genaue Eigenschaften wurden bisher nur begrenzt ermittelt, da die Holzart momentan äußerst selten vorkommt. Nach der Trocknung zeichnet es sich aber mit einem gutem Stehvermögen und mit einer hohen Maßhaltigkeit aus, wozu es für den Instrumentenbau interessant sein könnte. Das nicht sehr dauerhafte Holz ist beliebt als Furnier- und Möbelholz und findet durch sein dekoratives Aussehen Anwendung in der Innenausstattung als Holz für Intarsien und Verzierungen.



Bilder


Quellen

Bayrische Forstverwaltung für Wald und Forstwirtschaft (2020): Praxishilfe, Band II – Klima, Boden, Baumartenwahl. Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. LWF Wissen.

 

GD-Holz (2020): Speierling – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/speierling.html.

 

Häne, K. (Red.) (2002): Speierling-Jahrestagung 18. und 19. April 2002 in Bremgarten und Birmensdorf bei Zürich/Schweiz. - Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt WSL. 16 S.

 

OTS-Aussendung von Lebensministerium und Kuratorium Wald. https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/oesterreich-seltener-speierling.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.