Japanische Lärche (Larix kaempferi)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • Ursprünglich endemische Lärchenart von der japanischen Insel Honschū, welche seit nun über 120 Jahren in Europa angebaut wird
  • Benötigt lichtexponierte Lagen (typische Lichtbaumart der Gebirgsareale) mit frischem, tiefgründigem Boden und wächst bis zur Waldgrenze auf 2.300 m ü. NN
  • Stellt höhere Ansprüche an die Wasserversorgung und besitzt weniger Frosthärte als die heimische Lärche, ist aber anspruchsloser, schattentoleranter und nahezu unempfindlich gegenüber den berüchtigten Lärchenkrebs
  • Besitzt bei Schäden eine gute Regenerationsfähigkeit
  • Die Klimaerwärmung in Europa begünstigt den Anbau der japanischen Lärche

Vorteile:

+ sehr gut geeignet für die Besiedlung stark geschädigter Standorte (z.B. Schadflächen)

+ extrem hohe Winterfrosthärte und hohe Regenerationsfähigkeit

+ verträgt kalkreiche Böden, anspruchslos in der Nährstoffversorgung

+ eine der wichtigsten Nutzholzarten Europas

 

Nachteile:

- konkurrenzschwach

- Streu nur schwer zersetzbar

- auf ungeeigneten Standorten sehr anfällig für Krankheiten und Spätfrost

- geringe Trockentoleranz



Japanische Lärche - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Anfangs kegelförmige, später breit ausladende, etagierte, grobastige Krone, dicke, graubraune Borke anfangs glatt, später tief gefurcht

Höhe 30 – 50 m
Durchmesser (BHD) 0,6 – 1,5 m

Wuchstempo

Mäßig (in der Jugend raschwüchsig)
Wurzelsystem Pfahl-, später Herzwurzler (sehr intensiv)
Lebenserwartung   Bis über 250 Jahre
Hiebreife 100 – 140 Jahre

Standort

Verbreitung Japan (Honschū); mittlerweile in ganz Mitteleuropa und auf den britischen Inseln
Boden Frisch-feucht, tiefgründig, gut durchlüftet, lehmig, optimal basenreich
pH-Wert 5 - 7
Nährstoffbedarf niedrig
Wasserbedarf mäßig - hoch
Lichtbedarf Lichtbaumart (in der Jugend Halbschattenbaumart)
Jahrestemperatur (Ø) 5,9 – 8,8 °C
Trockenheitstoleranz niedrig - mäßig
Staunässetoleranz niedrig
Frosthärte mäßig - hoch (spät- und frühfrostgefährdet)

Pflanzung

Pflanztermin Frühjahr
Pflanzabstand 2 x 2 m; 3 x 3 m
Verbiss

hoch

Konkurrenzkraft

niedrig

Holz

Aussehen Rötlich bis orangebrauner Kern vom helleren Splint abgesetzt, klare Struktur
Rohdichte 470 – 620 kg/m³
Besonderheit

Gute Dauerhaftigkeit und Witterungsbeständigkeit, beliebt im Außenbereich, sehr gefragtes Holz

Verwendung

Konstruktionsholz, Möbel, Fenster, Fußböden

Nadeln

Form Spiralig an Kurztrieben, stumpf bis kurz zugespitzt
Größe 2 – 3,5 cm lang, 0,1 cm breit
Farbe

Beiderseits blaugrün, im Herbst goldgelb

Laub

sommergrün

Blüte

Form Zapfenähnlich, eiförmig bis kugelig, nach unten gekrümmt (♂), aufrecht (♀)
Farbe Gelblich (♂), purpur (♀)
Größe

1 – 1,5 cm lang

Blütezeit

April - Mai

Zapfen

Form Eiförmig bis kugelig, aufrecht, Schuppen am Ende umgerollt
Farbe Zimtbraun
Größe 1,5 – 3,5 cm lang
Reife September - November

Beschreibung

Die etwas unscheinbare japanische Schwester unserer heimischen Lärche ist natürlicherweise in nur einem sehr engen Verbreitungsareal von 400 km² Größe der japanischen Hauptinsel Honschū angesiedelt. Dort wächst der sommergrüne Nadelbaum vorwiegend zwischen 500 – 2.300 m ü. NN an lichtexponierten und regenreichen Hanglagen im Zentrum der Insel. Heute wird sie auch vermehrt in Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Belgien und Frankreich forstlich angebaut und ist hin und wieder als Zierbaum in Parks und Gärten zu finden. Mit aktuell ca. 0,7 % Anteil an der deutschen Waldfläche gilt sie überraschenderweise als zweithäufigste Gastbaumart hinter der Douglasie. Durch die Kreuzung mit der Europäischen Lärche (Larix decidua) konnte die forstlich inzwischen sehr interessante und zukunftsträchtige Hybridlärche (Larix x eurolepis) gezüchtet werden, welche bisher erstaunliche Zuwächse bei relativ hoher Klimarobustheit zeigen konnte.

 

Larix kaempferi wird maximal 35 m (selten bis 50 m) hoch und erreicht Zieldurchmesser von 0,6 – 1,5 m. Es wird ein Höchstalter von 250 Jahren erreicht.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Die zukünftig erhöhten Temperaturen kommen der Japanischen Lärche zugute, allerdings ist sie durch ihren hohen Wasserbedarf nur schlecht gegen längere Trockenphasen gewappnet. Allerdings erwies sie sich im Gegensatz zur Europäischen Lärche als bisher weitgehend resistent gegenüber den gefürchteten Lärchenkrebs (Erreger Lachnellula willkomii), dessen Befallpotenzial mit dem Trockenstress steigt, was einer der Hauptgründe für die verhältnismäßig weite Verbreitung der Japanischen Lärche in Europa darstellt. Zudem zeigt sie eine gute Regenerationsfähigkeit bei jeglichen Schäden. Gegen den Quarantäneschädling Phytophtora ramorum ist sie allerdings sehr anfällig.

 

Durch die momentan umfassenden Versuchsanbauten der Hybridlärche (Larix x eurolepis) ist ihre Rolle als Elternbaum noch sehr geschätzt.

 

Ökologie & Standort

Für ein optimales Wachstum werden eine ausgeglichene und hohe Boden- und Luftfeuchte und tiefgründige, gut durchlüftete Böden benötigt. Je fruchtbarer und basischer der Standort, desto besser. Jedoch erweist sich die Japanische Lärche als sehr nährstofftolerant und gedeiht sowohl auf saurem, nährstoffarmen Silikat als auch auf kalkreichen Standorten oder sogar Podsolen. Dabei ist sie anspruchsloser als die Europäische Lärche Als Pionierpflanze ist sie zwar ausgesprochen lichtbedürftig und konkurrenzschwach, besiedelt aber dafür auch Freiflächen, Störflächen und flachgründige Rohböden. Sie verträgt im Gegensatz zur heimischen Lärche seitliche Beschattung.

 

Wie bei Larix decidua wird ein Herzwurzelsystem ausgebildet.

 

Schadfaktoren

Empfindlich zeigt sie sich gegenüber längerer Trockenzeit und gegen Spätfröste, kann sich aber bei Letzterem sehr gut regenerieren. Wie alle Lärchenarten ist sie erstaunlich winter- und sturmfest. Staunässe oder Wechselfeuchte wird nicht toleriert. Gegen Schneebruch ist sie anfälliger als die Europäische Lärche.

 

Gegen den Lärchenkrebs erwies sie sich als weitgehend resistent. In Großbritannien und Irland verursachte Phytophtora ramorum bereits erhebliche Schäden und konnte sich sehr rasch verbreiten. Ansonsten treten alle für die Europäische Lärche bekannten Schaderreger auch an der Japanischen Lärche auf. Darunter z. B. die Lärchen-Nadelschütte (durch Mycosphaerella laricina), der Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae), der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis), die Lärchennadel-Miniermotte (Coleophora laricella) und der Hallimasch (Armillaria spec.).

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Lärchenpflanzungen werden aktuell häufig auf Freiflächen begründet, da günstige Wuchsbedingungen im geschlossenen Bestand durch zu hohe Rohhumusauflagen, die Bodenvegetation und eine zu starke Überschirmung nicht gegeben sind. Begünstigt werden soll die auf Stör- oder Kalamitätsflächen ankommende Naturverjüngung. Mit Rücksicht auf die Erhaltung von Lichtbaumarten sind flächige Hiebsformen teilweise zulässig geworden. Für eine erfolgreiche Entwicklung der Jungpflanzen bietet sich die Pflanzung von 3-jährigen Vorschulpflanzen an, um einen Vorsprung im Höhenwachstum gegenüber anderen Mischbaumarten und der Begleitvegetation zu gewährleisten. Behandlungsempfehlung:

 

  • Jungwuchsstadium (bis 3 m Oberhöhe): Schirmstellungen durch andere Pionierhölzer (z. B. Birke, Pappel) vermeiden, Seitenschutz bietet sich zum Frostschutz an
  • Dickung (bis 10 m Oberhöhe): Negativauslese, vorwüchsige Lärchen erhalten und intraspezifische Konkurrenzssituation fördern. Bei sehr hohen Stammzahlen auf max. 150 Stk./ha reduzieren, um die Kronen freizuhalten
  • Läuterung (ab 10 m Oberhöhe): Erschließungssystem anlegen, Z-Baum-Auswahl (Kronenfreistellung), später Wertästung (auf 6 m) mit 2 – 3 Eingriffen pro Jahrzehnt; Pflege Sicherung von geeigneten Mischungsanteilen
  • Die Japanische Lärche ist ab einem BHD von ca. 65 cm hiebsreif

Als häufigste Mischbaumart ist die Rotbuche (Fagus sylvatica) zu nennen, welche in Mischbestände mit der Lärche gruppenweise beigemischt wird und als Unterstand dienen soll, um durch ihre Bodenbeschattung das Aufkommen der Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Frische Kiefernstandorte eignen sich auch gut für eine erfolgreiche Entwicklung der Lärche. Die Situation kann durch eine frühzeitige Freistellung der Lärche etwas verbessert werden.



Holzeigenschaften und Verwendung

Im Aussehen und den Eigenschaften ähnelt es dem Holz von Larix decidua. Das Holz besitzt einen vom Splint farblich abgesetzten, rötlich bis orangebraunen Kern. Es ist mäßig dauerhaft, sehr hart, aber gut bearbeitbar.

 

Die Bedeutung des Lärchenholzes nimmt in der deutschen Holzwirtschaft, vor allem als Austauschholz für Tropenhölzer im Garten- und Landschaftsbau immer mehr zu. Da der Waldflächenanteil der europäischen Lärche in Deutschland allerdings nur ca. 3 % beträgt und somit den Bedarf nicht decken kann, wird aktuell das meiste Lärchenholz aus Sibirien importiert (Larix sibirica), welches als qualitativ hochwertiger gilt, da das Holz engringiger und astfreier und somit für tragende Zwecke besser geeignet ist.

 

Das Holz der Lärche ist ein vielseitige verwendbares Konstruktionsvollholz für Innen- und Außenanwendung, Möbel- und Fensterbau und Fußböden.


Bilder



Quellen

Bayrische Forstverwaltung für Wald und Forstwirtschaft (2019): Praxishilfe – Klima, Boden, Baumartenwahl. Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. LWF Wissen.

 

Erlbeck, R.; Haseder, I.; Stinglwagner, G. (2016): Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. Verlag Kosmos, 6. Auflage. ISBN: 978-3-440-15219-5.

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2017): Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung. Forst BW.

 

GD-Holz (2020). Lärche – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/laerche.html.

 

Hessenforst (2016): Hessische Waldbaufibel – Grundsätze und Leitlinien zur naturnahen Wirtschaftsweise im hessischen Staatswald. Februar 2016, HessenForst.

 

Niedersächsische Landesforsten (2019): Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten. Aus dem Walde – Schriftreihe Waldentwicklung in Niedersachsen, Heft 61. Niedersächsische Landesforsten, NW-FVA Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt.

 

Schröder, T.; Schumacher, J.; Bräsicke, N. (2012): Schadorganismen an Europäischer Lärche. AFZ-DerWald, 10/2012, S. 22-26.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.