Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • Imposante und sehr leistungsfähige Baumart der Pazifikküste Kaliforniens und Oregons mit erstaunlichen Durchmessern von über 4,5 m und beachtlichen Höhen von bis zu 115 Metern, was sie zur aktuell höchsten dokumentierten Baumart der Nordhalbkugel macht
  • Ist im natürlichem Verbreitungsgebiet an wärmere und luftfeuchte Klimate gewöhnt mit milden Wintern und teilweise sehr niederschlagsarmen Sommermonaten
  • Rasch- und hochwüchsig auf optimalen Standorten, welche sich in tiefgründigen Auwäldern befinden
  • Steht heute im Herkunftsgebiet unter Naturschutz
  • Leichtes, weiches und dauerhaftes Holz sehr vielseitig einsetzbar im sowohl Außen- als auch Innenbereich

Vorteile:

+ anspruchslos in der Nährstoffversorgung, besiedelt auch saure Standorte

+ beachtliche Wuchsleistung die seinesgleichen sucht

+ vielseitig verwendbares Holz

 

Nachteile:

- weder sehr frost- noch winterhart

- verträgt Trockenheit nicht gut

- wenige forstliche Anbauerfahrungen in Deutschland



Küstenmammutbaum - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Breite, abholzige Stammbasis mit schmaler, lockerer Krone; langer, astfreier Stamm mit ungewöhnlich dicker, rötlich-brauner, faseriger, weicher und tief gefurchter Borke

Höhe 35 - 50 m (im nat. Verbreitungsgebiet bis über 115 m)
Durchmesser (BHD) Bis 2 m (im nat. Verbreitungsgebiet bis 5 m)

Wuchstempo

mäßig - hoch
Wurzelsystem Flachwurzler (weitreichend)
Lebenserwartung   Bis 2.000 Jahre
Hiebreife k. A.

Standort

Verbreitung Pazifikküste Nordamerikas (bedroht, Kalifornien bis Oregon)
Boden Feucht (Auwälder), leicht sauer, sandig-lehmig, optimal basenreich
pH-Wert 5,5 – 7,5
Nährstoffbedarf Gering - mäßig
Wasserbedarf hoch (hohe Luftfeuchte)
Lichtbedarf Lichtbaumart (in der Jugend schattentolerant)
Jahrestemperatur (Ø) 10 – 16 °C
Trockenheitstoleranz gering - mäßig (verträgt kurze, sehr heiße und sehr trockene Phasen mäßig gut)
Staunässetoleranz gering - mäßig
Frosthärte gering - mäßig

Pflanzung

Pflanztermin Frühjahr
Pflanzabstand 1,5 x 1,5 m
Verbiss

mäßig - hoch

Konkurrenzkraft

mäßig - hoch

Holz

Aussehen Rotbrauner, matt glänzender Kern mit weiß-gelblichen Splint, feine und regelmäßige Struktur
Rohdichte 380 – 450 kg/m³
Besonderheit

Weich, harzfrei und resistent gegen Pilz- und Insektenbefall

Verwendung

Vielseitig im Außen- als auch im Innenbau ohne höhere Druckbelastung

Nadeln

Form Schuppig, abgeflacht, scharf zugespitzt, schraubig stehend (nicht spiralig anliegend!)
Größe 0,6 – 2 cm lang, bis 0,3 cm breit
Farbe

Dunkel- bis bläulich-grün (mit brauner Winterfärbung)

Laub

immergrün

Blüte

Form Zäpfchen (einhäusig)
Farbe Blassgelb (♂), grün (♀)
Größe

0,5 - 0,7 cm (♂), ca. 0,1 cm lang (♀)

Blütezeit

November - März

Zapfen

Form Eiförmig bis kugelig mit dicken Schuppen, im 1. Jahr aufrecht, im 2. Jahr bei Reifung hängend
Farbe Braun
Größe 1,5 – 3 cm lang, 1,3 – 1,8 cm breit
Reife September - November

Beschreibung

Der am höchsten wachsende Baum der Nordhalbkugel besiedelt heute nur noch einen sehr schmalen Küstenstreifen von 724 km Länge an der Pazifikküsten Oregons und Nord-Kaliforniens. Ursprünglich erstreckte sich das natürliche Verbreitungsgebiet auf über 8.000 km², heute sind es nur noch weniger als 10 % von der Ausgangsfläche. Heute geht man insgesamt „nur“ noch von ca. 650.000 ha aus, wovon ca. 81.000 ha Altbestände sind. Dort bildet die Baumart dichte und mehrschichtige Reinbestände. In Deutschland und Mitteleuropa bleiben die potenziellen Anbaugebiete bisher sehr begrenzt, obwohl der Küstenmammutbaum, auch Küsten-Sequoie oder Küsten-Redwood genannt, vor der letzten Eiszeit auch hier laut Fossilienfunden heimisch war. Vornehmlich wird er außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebiets (Südeuropa, Britische Inseln, Australien, Neuseeland) als Park- und Zierbaum gepflanzt. In den meisten Gebieten Mitteleuropas gilt er nur als bedingt winter- und frosthart und benötigt gut geschützte Lagen. Im Staatsforst Burgholz am Niederrhein befindet sich heute ein um 1952 begründeter Redwood-Hain, welcher sich bis heute gut entwickelt und keinerlei Schäden aufwies.

 

Im Ursprungsgebiet kann der Küstenmammutbaum wie erwähnt Höhen von bis zu 115 m und Durchmesser von 4,5 m erreichen, die durchschnittliche Höhe liegt jedoch bei 35 – 100 m. Mit 2.000 Jahren Höchstalter wird die Baumart sprichwörtlich zum lebenden Fossil.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Anhand des Beispiels der Mammutbäume lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels sehr gut dokumentieren. 2.000 bis 3.000 Jahre alte Bäume, welche den verschiedensten Klimaveränderungen, Krankheiten, Stürmen und Waldbränden trotzen konnten, fallen nun in nur wenigen Jahren dem Trockenstress anheim. Dabei ist der Küstenmammutbaum in seiner Heimat sehr trockene und heiße Sommer von mittleren Junitemperaturen zwischen 24 und 29 °C gewöhnt. Daneben bevorzugt der Baum mildere Winter, welche auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben, und ist zumindest in Südeuropa und Süddeutschland winterhart. Ein limitierender Faktor wird für die Anbauwürdigkeit in Deutschland die Wasserversorgung sein, da die Mammutbäume als Nadelbaum der montanen Lagen einen konstant frischen bis feuchten Boden in der Vegetationsperiode benötigen. Daher kann der Küstenmammutbaum auch nicht per se als klassischer „Klimabaum“ bezeichnet werden. Jedoch eignet er sich dadurch und aufgrund seines Flachwurzelsystems für pseudovergleyte und sehr nasse Standorte, wie z. B. Bruch- oder Auwälder.

 

Des Weiteren bietet der Mammutbaum mit seinem als „Redwood“ vermarkteten Holz einen vielseitigen Baustoff sowohl für den Innenausbau als auch für den Außenbau.

 

Ökologie & Standort

Der Küstenmammutbaum bevorzugt milde Winter, windgeschützte Lagen und mäßig hohe Niederschläge zwischen 640 und 3.100 mm im jährlichen Durchschnitt, wobei im natürlichen Verbreitungsgebiet Schnee, im Gegensatz zum Riesenmammutbaum, einen geringen Anteil am Niederschlag darstellen sollte. Trockene Sommermonate werden durch in den Küstenregionen typischen Sommernebel ausgeglichen. Charakteristische Wuchsgebiete sind von unregelmäßigen Kämmen, Kuppen und mäßig steilen Hängen in 30 – 760 m ü. NN geprägt. Dabei werden frische Standorte besiedelt, vermehrt Auwälder entlang größerer Flüsse. Optimal sind leicht saure, sandige Lehmerden. In der Nährstoffversorgung ist die Pflanze eher anspruchslos, hat aber einen erhöhten Lichtbedarf. Bodenbewegungen werden sehr gut kompensiert, der Mammutbaum ist in der Lage sein Wurzelwachstum an das Höhenlevel der obersten Bodenschicht anzupassen.

 

Das Wurzelsystem ist äußerst flach ausgebildet, bildet aber mit der Zeit kräftige Seitenwurzeln. Auffallend ist auch die ungewöhnlich dicke Borke (bis zu 30 cm), welche die älteren Bäume allerdings in sehr heißen und trockenen Phasen vor Waldbränden schützt. Für eine Nadelbaumart ungewöhnlich ist ebenso sein hohes Stockausschlagsvermögen und entwickelt Wurzelbrut.

 

Schadfaktoren

Komplementär zur andauernden Trockenheit in Kalifornien sind im natürlichen Verbreitungsgebiet nur Waldbrände problematisch. Ohne entsprechenden Seitenschutz ist der Küstenmammutbaum auch empfindlich gegenüber Frost und Winterkälte.

 

In Deutschland gilt aber ein Jungwuchs-Befall durch Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule) als problematischer als Winterkälte und vor allem Waldbrände. Sonst gilt die Art, wie auch sein Verwandter Sequoiadendron giganteum als erstaunlich resistent gegenüber Pilzbefall und Schadinsekten.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Forstwirtschaftliche Erfahrungen sind im Mitteleuropa sehr selten bis gar nicht vorhanden. Zur Pflanzung werden 3-jährige Sämlinge im 1,5 x 1,5 m Pflanzverband empfohlen. Im Anwuchs ist die Pflanze noch schattentolerant und benötigt Schirm- sowie Seitenschutz. Mit zunehmenden Alter (ab 5 – 6 Jahren schnelleres Wachstum) sollte sie aber unter Erhalt des Seitenschutzes immer mehr, aber behutsam (Wasserreiser) freigestellt werden. Dann zeigen die Mammutbäume ihre beachtliche Wuchsleistung. Da die natürliche Astreinigung nur sehr schwach ausgeprägt ist, ist eine Wertastung zur Produktion von wertigem Holz notwendig.

 

Im Ursprungsgebiet bildet der Küstenmammutbaum oft Reinbestände. Man trifft allerdings auch häufig in Vergesellschaftung mit der Riesen-Küstentanne (Abies grandis), dem Riesenlebensbaum (Thuja plicata) und der Douglasie (Pseudotsuga menziesii) an.



Holzeigenschaften und Verwendung

Das harzfreie „Coast Redwood“, auch Kalifornisches Rotholz genannt, besitzt einen rotbraunen, matt glänzenden Kern mit leicht violetter Tönung und einem weißen bis gelblich-grauen Splint. Wie die meisten Nadelhölzer besitzt das Holz des Mammutbaumes ein fein strukturiertes, gleichmäßiges Holz, in dem sich das Spätholz farblich deutlich vom Frühholz absetzt. Das Redwood gilt als leicht, besonders weich, dementsprechend leicht zu bearbeiten, wärmeisolierend, sehr feuchtebeständig und sehr widerstandsfähig gegenüber Pilz- und Insektenbefall.

 

Daher kann es sogar unbehandelt im Außenbau für Fassade, Tore, Zäune, Garagen, Verkleidungen, Dachunterschläge und Rahmenkonstruktionen verwendet werden. Im Innenausbau dient es als Ausstattungsholz für Einbaumöbel, Verkleidungen, Leisten oder Raumteiler. Weiterhin ist es ein geschätztes Klangholz für die Resonanzböden von bspw. Orgelpfeifen.


Bilder



Quellen

GD-Holz (2020): Redwood – Holz-ABC. https://www.holzvomfach.de/fachwissen-holz/holz-abc/redwood/.

 

Olson, D. F.; Douglass, F. R.; Walters, G. A. (2021): Sequoia sempervirens (D. Don) Endl. – Redwood. USDA Service, https://www.srs.fs.usda.gov/pubs/misc/ag_654/volume_1/sequoia/sempervirens.htm.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.