Serbische Fichte (Picea omorika)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • Sehr schmalkronige und elegante Fichtenart aus den Gebirgslagen des nördlichen Balkans, welche heute zu den häufigsten Gartenkoniferen der Welt zählt
  • Wurde bis heute auf nur insgesamt 60 ha große Refugien zurückgedrängt, bevölkerte aber bis zur letzten Zwischeneiszeit auch Norddeutschland
  • Klimatisch weitaus robuster als die hier heimische Fichte, aber lichtbedürftiger und etwas langsamer im Wuchs
  • Bevorzugt kühl-humide Lagen ab 800 m ü. NN auf frischen bis nassen, kalkreichen Böden
  • Sehr bescheiden in ihren Standortansprüchen
  • Das momentan seltene Holz besitzt ähnliche Eigenschaften wie das herkömmliche Fichtenholz und wird daher auch gleich vermarktet

Vorteile:

+ ansprechendes Erscheinungsbild, anspruchslos und sehr robust

+ extrem kälte- und frosttolerant

+ einfache Verjüngung, begünstigt durch geringe Verbissgefährdung

+ Holz gleicht dem des heimischen Fichtenholzes

 

Nachteile:

- nicht so wüchsig wie die heimische Fichte

- lichtbedürftiger und konkurrenzschwächer als die heimische Fichte



Serbische Fichte - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Sehr schlanke, kegelförmige bis fast kerzengerade Krone mit geradem Stamm und kurzen,  dicht behaarten Ästen; orange-braune, später dunkelbraune, sich ablösende Schuppenborke anfangs papierdünn, später hart

Höhe 30 – 40 m
Durchmesser (BHD) 0,3 - 0,75 m

Wuchstempo

Mäßig bis raschwüchsig
Wurzelsystem Flach-, bis Senkerwurzelsystem
Lebenserwartung   160 – 200 Jahre
Hiebreife 90 – 130 Jahre

Standort

Verbreitung Nördliche Balkanhalbinsel (Hochlagen Bosniens, Herzegowinas, Montenegros und Albaniens)
Boden Anspruchslos; optimal feucht, durchlässig, kalkreich mit hoher Luftfeuchte
pH-Wert 5,5 – 7,5
Nährstoffbedarf gering
Wasserbedarf mäßig
Lichtbedarf Lichtbaumart (verträgt in der Jugend Halbschatten)
Jahrestemperatur (Ø) 4 – 6 °C (nat. Verbreitungsgebiet)
Trockenheitstoleranz mäßig - hoch
Staunässetoleranz gering
Frosthärte hoch

Pflanzung

Pflanztermin Frühjahr
Pflanzabstand 2 x 2 m
Verbiss

niedrig

Konkurrenzkraft

mäßig

Holz

Aussehen Gelblich bis fast weiß, geradfasrig, unscheinbare Struktur
Rohdichte 430 – 520 kg/m³
Besonderheit

Gleicht in den Eigenschaften dem herkömmlichen Fichtenholz

Verwendung

Bauholz, Innenausbau, Fußböden, Treppen, Möbel, Saunabau, Paletten, Verpackungen, Zellstoff, Papier, Holzwerkstoffe

Nadeln

Form Dicht stehend, abgeflacht, zugespitzt
Größe 1,2 – 1,8 cm lang
Farbe

Glänzend dunkelgrün, unterseits silberweiß

Laub

immergrün

Blüte

Form Zäpfchen im oberen Kronenbereich, eiförmig, seitenständig (♂), aufrecht an Seitentrieben (♀)
Farbe hellrot bis gelb (♂), purpur (♀)
Größe

1 - 1,5 cm (♂), 1,2 - 2,5 cm (♀)

Blütezeit

Mai - Juni

Zapfen

Form  Länglich-eiförmig
Farbe  Reif rot- bis glänzend zimtbraun
Größe 3 – 6,5 cm lang, 2 – 3 cm breit
Reife September - Oktober

Beschreibung

Wenn man die Fichte denkt, fällt einem sofort unsere heimische Fichte (Picea abies) ins Gedächtnis. Umso überraschender ist es, dass sie außerhalb der deutschen Wälder nicht die häufigste Fichtenart ist. Die Serbische Fichte, häufig Omorika-Fichte genannt, gilt als „schönste“ Fichte und ist wegen ihres landschaftsästhetischem Wertes die am weitesten verbreitete Gartenkonifere in Deutschland. Ursprünglich von den Steilhängen des Flusses in Drina in Bosnien-Herzegowina stammend, bevölkerte sie während der letzten Zwischeneiszeiten auch die norddeutschen Gebiete. Heute beschränkt sich natürliches Verbreitungsgebiet auf nur 60 ha, verteilt über ca. 50 Einzelbestände in den Hochlagen zwischen 800 und 1.400 m in Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Nord-Albanien. Sie wird verstärkt zur Wiederaufforstung der Hochlagen in Bosnien-Herzegowina genutzt, wodurch sich ihr Areal in der wohl artenreichsten Region Europas fortwährend vergrößert. Weltweit ist sie als Zierpflanze aber eine der am häufigsten angepflanzten Nadelgehölze der Welt. In Deutschland wurde sie bereits versuchsweise im Forst erfolgreich angebaut.

 

Die Serbische Fichte erreicht Höhen von 30 – 40 m, selten bis 50 m, bei einem maximalen Brusthöhendurchmesser von 0,75 m. Das Höchstalter liegt bei 160 bis 200 Jahren.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Die „Serbische Schwester“ der heimischen Fichte besitzt Eigenarten, welche ihr im Klimawandel einen Vorteil gegenüber der heimischen Fichte verschaffen. Durch ihren ästhetischen Wuchs bzw. ihre auffallend sehr schmale Krone ist sie kaum schneebruchgefährdet und wurzelt tiefer und kompakter als unsere heimische Fichte, welche in den letzten Jahrzehnten aufgrund ihres sehr flachen Wurzelsystems häufig Opfer von Stürmen war. Zudem gilt sie als widerstandsfähiger gegenüber Frost, Immissionen (für Stadtgebiete geeignet) und vor allem Trockenheit. P. omorika erträgt aber weniger Schatten und ist nicht so raschwüchsig wie P. abies.

 

Sie ist daher eine zwar etwas weniger raschwüchsige, dafür aber äußerst klimarobuste Alternative oder Ergänzung zu unserer heimischen Fichte, was sie bei uns durchaus anbauwürdig macht. Ihr Holz ist zudem vergleichbar mit dem Holz der Gemeinen Fichte und wird aufgrund der bisher sehr geringen Holzaufkommen zusammen mit dem Holz der Picea abies vermarktet.

Ökologie & Standort

Als Nadelbaumart der sommerkühlen, luftfeuchten und schneereichen Klimalagen bevorzugt sie eine ausreichend hohe Wasserversorgung und Luftfeuchte, ist aber in ihren Standortansprüchen erstaunlich bescheiden. Sie gedeiht sowohl auf trockenen Böden ebenso gut wie auf feuchten, bis nahezu nassen Standorten. Für beste Wuchsleistung sind aber nährstoffreiche und neutrale Kalkverwitterungsböden mit starker Humusauflage optimal.

 

Die Omorika-Fichte bildet ein Flachwurzelsystem mit tiefreichenden Senkerwurzeln aus.

 

Schadfaktoren

Gegenüber Trockenheit, Frost, Sturm sowie Schnee- und Eisbruch ist die Omorika-Fichte sehr robust. Auch gegenüber der Fichtengallenlaus (Sacchiphantes viridis), welche gerne die heimische Fichte befällt, zeigt sie sich bisher resistent. Vor dem berüchtigten Buchdrucker (Ips typographus) und vielen andere Borkenkäferarten ist die Omorika-Fichte nicht gefeit, ist allerdings weniger anfällig, da sie auch besser mit Trockenheit zurechtkommt und so weniger geschwächt den aktuell gefürchteten Schädlingen entgegentritt.

 

Zwar toleriert P. omorika auch städtisches Klima, leidet aber bei Chlor-Einträgen und auf flach anstehenden Bauschutt unter Nadelvergilbungen und -bräunung, was in Stadtgebieten in der Vergangenheit häufig zum Omorika-Sterben geführt hat. Abhilfe bietet hier eine Düngung mit Bittersalz (MgSO4).

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Die Serbische Fichte ist ähnlich pflegeleicht wie die heimische Fichte, benötigt aber mehr Licht und dementsprechend eine frühere Freistellung unter Schirm. Die forstliche Behandlung kann wie bei der Gemeinen Fichte erfolgen:

  • Verjüngung: Pflanzung (2 x 2 m) unter lichtem Altholzschirm, auf Freiflächen ggf. mit Seitenschutz oder unter lockerem Vorwald
  • Jungwuchsstadium (3 – 6 m Oberhöhe): Sicherung der natürlichen Differenzierung und der Mischbaumarten, aber in der Regel keine Maßnahmen
  • Läuterung (bis 12 m Oberhöhe): wie im Jungswuchsstadium, Anlegen von Pflegepfaden, Konkurrenzsituation fördern
  • Z-Baumauswahl (12 – 15 m Oberhöhe): 150 – 250 Stk./ha, Kronenentwicklung fördern, für Wertholzproduktion auf 6 m asten, Anlegen der Rückegassen, Entnahme von Bedrängern
  • Ausreife bis Endnutzung (ab 22 – 24 m Oberhöhe): Vorratspflege, 2 – 3 Eingriffe pro Jahrzehnt, Hiebsreife ab BHD = 45 cm

Im Verbreitungsgebiet wächst sie in ausschließlich Mischung mit der Weißtanne (Abies alba), der Gemeinen Fichte (Picea abies), der Schwarzkiefer (Pinus nigra) und der Rotbuche (Fagus sylvatica), seltener auch mit der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und dem Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Sie bildet keine Reinbestände.



Holzeigenschaften und Verwendung

Die Holzvermarktung erfolgt zusammen mit dem Holz der Gemeinen Fichte. Fichtenholz ist sehr geradfasrig, unscheinbar und gelblich bis fast weiß. Als typisches Nadelholz ist es durch die Spätholzbänder deutlich strukturiert und besitzt Harzkanäle und dementsprechend einen leicht harzigen Geruch im frischen Zustand.

 

Es besitzt sehr gute physikalisch-mechanische Eigenschaften, wodurch sie gepaart mit dem leichten bis mittelschweren Gewicht das mit Abstand meist verwendete Bau- und Konstruktionsholz im Hoch- und Tiefbau (Brücken-, Wasser-, Industrie-, Sportstättenbau) ist. Im Innenausbau wird es vielseitig für tragende Wände und Decken, Dachkonstruktionen, Fußböden, Treppen, Verkleidungen, Möbel und im Saunabau verwendet. Trotz der geringen Dauerhaftigkeit kommt es auch im Außenbereich zum Einsatz (z. B. Fassaden, Balkone, Fenster, Türen, Zargen und Tore). Hinzu kommt die äußerst umfangreiche Verwendung als Verpackungs- und Palettenholz und in der Holzwerkstoff-, Zellstoff- und Papierindustrie.

 

In astreiner, gleichmäßiger und feinjähriger Form ist es das weltweit bevorzugte Resonanzholz für Decken und Böden von vielen Streich- und Tasteninstrumenten.


Bilder



Quellen

FVA (2020): Das forstliche Versuchsgelände Liliental – Die Serbische Fichte. https://www.fva-bw.de/daten-und-tools/forschung/liliental-das-versuchsgelaende?tx_gdfvascripts_scriptwrapper%5Bscript_file%5D=flaechen%2Fsficht.html&cHash=bd99f18f0e00dbd84d6b3f545c942c3a.

 

GD-Holz (2020): Fichte – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/fichte.html.

 

Konnert, M.; Cvjetkovic, B. (2016): P. omorika im Fokus des ASP. Beitrag LWF aktuell 2/2016, S. 27.

 

Richter, K.; Ehmcke, G. (2017): Das Holz der Fichte – Eigenschaften und Verwendung. LWF Wissen 80, S. 117 – 124.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.