Gemeine Hasel (Corylus avellana)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • In Mitteleuropa sehr weit verbreiteter, heimischer Großstrauch
  • Fettreiche und sehr schmackhafte Nüsse Zutat für vielerlei Knabbereien
  • Lichtliebende, anspruchslose Pionierpflanze, welche sich für die Waldrandgestaltung und die Wiederbegrünung von Kahlflächen eignet
  • Bietet wichtigen Lebensraum und ist Nahrungslieferant für viele Säugetiere, Vögel und Insekten
  • Absolut frost- und winterharter Großstrauch, der gut mit Trockenheit und Hitze zurechtkommt

Vorteile:

+ gedeiht sowohl auf schlechten als auch auf sehr guten Standorten

+ unempfindlich gegenüber Trockenheit und Frost

+ raschwüchsige Pionierpflanze mit hohem Stockausschlagsvermögen

+ sehr hoher ökologischer Wert

 

Nachteile:

- konkurrenzschwach

- keine forstwirtschaftlich relevante Pflanze



Gemeine Hasel- Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Vielstämmiger Großstrauch schon ab der Basis mit sehr dünner, glänzend brauner, anfangs glatter Rinde

Höhe 2 – 9 m
Durchmesser (BHD) Einzelne Stämme 0,1 – 0,2 m

Wuchstempo

raschwüchsig
Wurzelsystem Flach- bis Senkerwurzler (weitreichend, mit kräftigen Seitenwurzeln und hohem Feinwurzelanteil)
Lebenserwartung   80 – 100 Jahre
Hiebreife k. A.

Standort

Verbreitung Heimisch (nahezu ganz Europa bis Kleinasien und dem Kaukasus)
Boden Anspruchslos; frisch-feucht, optimal lehmig und basen- und kalkreich
pH-Wert 6 – 8,5
Nährstoffbedarf gering - mäßig
Wasserbedarf gering - mäßig
Lichtbedarf Lichtbaumart (verträgt Halbschatten)
Jahrestemperatur (Ø) -4 – 15 °C
Trockenheitstoleranz mäßig – hoch
Staunässetoleranz gering – mäßig
Frosthärte hoch

Pflanzung

Pflanztermin Herbst
Pflanzabstand 1 x 1 m
Verbiss

mäßig

Konkurrenzkraft

gering

Holz

Aussehen Hell, weiß-rötlich, Splint vom Kern nicht zu unterscheiden
Rohdichte 570 – 630 kg/m³
Besonderheit

Traditionell genutzt, aber heute forstlich nicht relevant

Verwendung

Brennholz, historische Holzverwendung (siehe Verwendung)

Blatt

Form Rundlich-herzförmig, weich behaart
Größe 6 – 10 cm lang
Herbstfärbung

Leuchtend gelb bis gelb-orange

Laub

sommergrün

Blütenstand

Form Kätzchen (♂), in Knospe mit winzigen Narben (♀)
Farbe Gelblich (♂), rote Narben (♀)
Größe

8 - 10 cm lang(♂), unscheinbar (♀)

Blütezeit

Februar - April

Frucht

Form Nussfrucht im Fruchtbecher
Farbe Hellbraun, Fruchtbecher hellgrün
Größe 1,6 – 1,8 cm dick
Reife August - September
Essbar ja (sehr schmackhaft)

Beschreibung

Als beliebte Zutat in vielerlei Süßigkeiten und Gebäck ist sie unter den Nüssen die am häufigsten zu findende: die Haselnuss. Die verarbeiteten Haselnüsse stammen selten von der hier heimischen Gemeinen Hasel und hauptsächlich von der in plantagenweise angebauten Lambertshasel (Corylus maxima) und von den zahlreichen Haselnuss-Hybriden, welche vermehrt in Südeuropa und der Türkei zu finden sind. Die Gemeine Hasel, auch Haselstrauch, Haselnussstrauch oder Gewöhnliche Hasel genannt, ist außerhalb des kommerziellen Anbaus die häufigste Art der Gattung Haseln und ist in fast ganz Europa und Kleinasien (bis auf die engeren Mittelmeerräumen) verbreitet. Dort tritt sie meist als Pioniergehölz auf fruchtbaren Standorten, in Auwäldern, an Waldrändern, in Hecken, als Ziergehölz sowie in lichten Laubmischwäldern als unterholzbildende Strauchart. Gerade im Gebirge bildet sie wichtige Dauergesellschaften, da sie neben ihrer Funktion als Habitatbaum und Nahrungsquelle für Tiere weitstreichende Wurzeln bildet, welche sich sehr gut zur Bodenbefestigung eignen. In der Sexualsymbolik gilt der Strauch zudem als Sinnbild der Wollust und Fruchtbarkeit.

 

Die Gemeine Hasel wächst als 2 – 9 m hoher Großstrauch, welcher bereits am Boden mehrere Stämme bildet. Sie erreicht ein maximales Alter von 80 – 100 Jahren.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Genau Daten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gemeine Hasel sind bisher nicht erfasst, da die Pflanze im Forst keine wirtschaftliche Rolle spielt. Jedoch weisen ihr Pioniercharakter, ihre weiträumige Verbreitung und ihre Häufigkeit auf ein hohes Anpassungsvermögen hin. Hinzu kommt ihre relative Anspruchslosigkeit und ihr schnelles Wachstum, was auch ihrer natürlichen Verjüngung zugutekommt.

 

Hochrelevant für den Wald der Zukunft ist sie ich ihrem hohem ökologischem Wert. Als Nahrungsproduzent für kleine Säugetiere, Vögel und Insekten und als Brut- und Niststätte trägt sie viel zur Biodiversität im Bestand bei. Für die Bienen bietet der Frühblüher zudem zeitig im Jahr Nektar. Ihr weitstreichendes Wurzelsystem ist besonders in Gebirgslagen und offenen Fluren zum Erosionsschutz wichtig und als Pionierpflanze trägt sie zu einer schnellen Begrünung von Kahlflächen und zum Waldbild bei. Nach Schäden kann sie sich durch ihre Stockausschlagsfreudigkeit gut regenerieren. 

Ökologie & Standort

Es werden fruchtbare, vor allem frische bis mäßig feuchte, kalkreiche, lehmig-tonige Standorte bevorzugt. Sehr saure, nasse (Moore, Bruchwälder) und zu trockene Böden werden gemieden. Sandige Böden sind nicht optimal. Als licht- und wärmeliebende Strauchart gedeiht sie am besten an Waldrändern, entlang von Bachufern und in lichten Laubmischwäldern. Die Hasel verträgt aber auch halbschattige Lagen.

 

Der Haselnussstrauch bildet ein weitstreichendes und intensives Flachwurzelsystem aus mit hohem Feinwurzelanteil und sehr starken Seiten- und Senkerwurzeln.

 

Schadfaktoren

Von pathogen wirkenden Schädlingen bleibt die Gemeine Hasel größtenteils verschont. Der häufigste Schädling ist der Haselnussbohrer (Curculio nucum), welcher an den Blättern saugt und zur Eiablage die Nüsse anbohrt. Als problematisch gilt er aber nur im kommerziellen Anbau. Daneben befallen diverse Zikadenarten und Blattläuse die Pflanze, auch Mehltau, Rußtaupilze oder Rostpilze können vorkommen.

 

Die Knospen der Pflanze werden gerne vom Wild verbissen.

 

Gegenüber Trockenheit, Wind oder Frost zeigt sich die Hasel sehr robust. Durch ihre Immissionstoleranz macht sie sich schon seit Langem als Zierbaum in Gärten und Parks beliebt, ist aber salzempfindlich.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Eine Pflanzung der Gemeinen Hasel bietet sich speziell zur Waldrandgestaltung, zur Steigerung der Biodiversität einer Fläche, zur Wiederbegrünung, als Bienenweide und Nahrungslieferant und zum Erosionsschutz an. Bei besonders wüchsigen Herkünften kann die Hasel auch eine dienende Funktion zur Astreinigung wirtschaftlicher Baumarten im Bestand einnehmen. Dabei werden enge Pflanzabstände von bspw. 1 x 1 m gewählt.

 

Holzeigenschaften und Verwendung

Die Nüsse werden für zahlreiche Lebensmittel, besonders für Süßigkeiten und Gebäck verwendet. Auch in der Imkerei spielt die Pflanze zur Honigproduktion eine Rolle.

 

Das Holz der Gemeinen Hasel wird kaum verwendet. Es besitzt eine helle, etwas rötliche Farbe, wobei der Kern kaum von Splint zu unterscheiden ist. Das zähe, mäßig harte Holz wurde hauptsächlich als Brennholz in früheren Zeiten der Niederwälder und Waldweiden verwendet. Im Mittelalter eigneten sich die biegsamen Haselruten zur Herstellung von Flechtwerken, Fischfangzäune, Vogelschlingen, Spazierstöcke und Armbrustbögen. Haselnusszweiggabeln wurden als Wünschelruten verwendet.



Bilder



Quellen

Buch, C.; Kasielke, T.; Mörtl, B. (2016): Corylus avellana – Gewöhnliche Hasel, Haselstrauch (Betulaceae). Jahrb. Bochumer Bot. Verlag, S. 197 – 211.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.