Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum)

Alles von der Pflanzung über die Pflege bis hin zum Holz!



Kurz und knapp

  • Imposante Baumart aus dem Westen Nordamerikas mit erstaunlichen Durchmessern von über 13 m und beachtlichen Höhen bis zu 100 und mehr Metern
  • Ist im natürlichem Verbreitungsgebiet trockene und heiße Sommermonate gewöhnt
  • Raschwüchsig auf optimalen Standorten, welche feucht und wintermild sind
  • Im Herkunftsgebiet stark vom Aussterben bedroht und seit den 40er Jahren unter strengem Naturschutz
  • Leichtes, weiches und dauerhaftes Holz sehr vielseitig einsetzbar im sowohl Außen- als auch Innenbereich

Vorteile:

+ anspruchslos in der Nährstoffversorgung, besiedelt auch saure Standorte

+ beachtliche Wuchsleistung die seinesgleichen sucht

+ erträgt sehr heiße und trockene Phasen

+ vielseitig verwendbares Holz

 

Nachteile:

- nicht sehr frosthart

- verträgt keine sehr tiefen Wintertemperaturen

- wenige forstliche Anbauerfahrungen in Deutschland



Riesenmammutbaum - Steckbrief

Wuchs

Aussehen (Habitus)

Dichte, kegelförmige, im Alter abgerundete, unregelmäßige Krone mit abholzigen, aber langen, astfreien Stamm mit ungewöhnlich dicker, zimtbrauner, schwammig weicher und längsrissiger Borke

Höhe Bis 50 m (im nat. Verbreitungsgebiet bis über 100 m)
Durchmesser (BHD) Bis 2 m (im nat. Verbreitungsgebiet bis 12 m)

Wuchstempo

Mäßig - hoch
Wurzelsystem Flachwurzler (weitreichend, bis 30 m Radius)
Lebenserwartung   2.000 – 3.000 Jahre
Hiebreife k. A.

Standort

Verbreitung Westliches Nordamerika (bedroht, Ostseite Sierra Nevada ab 1.400 m)
Boden Feucht (Auwälder), leicht sauer, sandig-lehmig, optimal basenreich
pH-Wert 5,5 – 7,5
Nährstoffbedarf gering - mäßig
Wasserbedarf hoch (hohe Luftfeuchte)
Lichtbedarf Lichtbaumart (in der Jugend schattentolerant)
Jahrestemperatur (Ø) 7 – 18 °C
Trockenheitstoleranz mäßig (verträgt kurze, sehr heiße und sehr trockene Phasen sehr gut)
Staunässetoleranz mäßig
Frosthärte gering - mäßig

Pflanzung

Pflanztermin Frühjahr
Pflanzabstand 1,5 x 1,5 m
Verbiss

mäßig - hoch

Konkurrenzkraft

mäßig - hoch

Holz

Aussehen Rotbrauner, matt glänzender Kern mit weiß-gelblichen Splint, feine und regelmäßige Struktur
Rohdichte 380 – 450 kg/m³
Besonderheit

Weich, harzfrei und resistent gegen Pilz- und Insektenbefall

Verwendung

Vielseitig im Außen- als auch im Innenbau ohne höhere Druckbelastung

Nadeln

Form Schuppig bis lanzettlich, scharf zugespitzt, eng am Trieb spiralig anliegend
Größe 0,1 – 1,2 cm lang
Farbe

Grün

Laub

immergrün

Blüte

Form Zäpfchen
Farbe Gelblich (♂), grün (♀)
Größe

0,1 – 1,2 cm lang

Blütezeit

April - Mai

Zapfen

Form Eiförmig mit dicken Schuppen, im 1. Jahr aufrecht, im 2. Jahr bei Reifung hängend
Farbe Dunkel- bis rotbraun
Größe 3 – 7 cm lang, 2,5 – 5 cm breit
Reife Juli – August (im Folgejahr)

Beschreibung

Der Riesen-Mammutbaum bzw. der Berg-Mammutbaum gilt als eine der ältesten und zugleich eindruckvollsten Baumarten der Erde, welche vor der letzten Eiszeit sogar in Europa heimisch war. Zusammen mit dem Küsten-Mammutbaum (Sequoia sempervirens) und dem in China beheimateten Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) bildet er die drei letzten Arten der Unterfamilie Sequoiadeae (Mammutbäume), welche alle drei im natürlichem Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht sind. In den letzten Jahrzehnten sind über 95 % der Mammutbäume verschwunden, seit 1940 stehen sie unter strengem Naturschutz. Angefangen bei der frühen Abholzung und dem fortwährenden Wachstum der Städte und Siedlungen, fallen viele Mammutbäume momentan den langen Trockenperioden im Zuge der Erderwärmung zum Opfer. Im Bundesstaat Kalifornien bspw., dem Hauptverbreitungsgebiets des Riesen- und des Küstenmammutbaumes, sind seit 2011 102 Millionen Bäume vertrocknet und abgestorben. Diese Dürrephase gelangte sogar bis auf 1.600 m, in welcher Höhe die Mammutbäume wachsen. Dies traf auch den bekannten „Tunnel Tree“, welcher nach 2.000 Jahren der Trockenheit erlag und gefällt werden musste.

 

Der voluminöseste Baum der Erde ist der Riesenmammutbaum „General Sherman“ im kalifornischem Sequoia-Nationalpark. Sein Alter wird auf 1.900 bis 2.500 Jahre geschätzt, bei einer Höhe von 83 m und einer Stärke von 11 m (!). Hierzulande erreicht Sequoiadendron giganteum ebenfalls beachtliche Wuchsleistungen. Bis zu 50 m Höhe und bis zu 2 m Durchmesser und mehr sind in Mitteleuropa möglich. Momentan wird der Riesenmammutbaum in Deutschland bisher fast ausschließlich als Zierbaum kultiviert.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel

Anhand des Beispiels der Mammutbäume lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels sehr gut dokumentieren. 2.000 bis 3.000 Jahre alte Bäume, welche den verschiedensten Klimaveränderungen, Krankheiten, Stürmen und Waldbränden trotzen konnten, fallen nun in nur wenigen Jahren dem Trockenstress anheim. Dabei ist der Riesenmammutbaum in seiner Heimat sehr trockene und heiße Sommer von mittleren Junitemperaturen zwischen 24 und 29 °C gewöhnt. Daneben bevorzugt der Baum mildere Winter, welche auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben, ist aber bei uns schon länger winterhart. Ein limitierender Faktor wird für die Anbauwürdigkeit in Deutschland die Wasserversorgung sein, da der Riesenmammutbaum als Nadelbaum der montanen Lagen einen konstant frischen bis feuchten Boden in der Vegetationsperiode benötigt. Daher kann er auch nicht per se als klassischer „Klimabaum“ bezeichnet werden. Jedoch eignet er sich dadurch und aufgrund seines Flachwurzelsystems für pseudovergleyte und sehr nasse Standorte, wie z. B. Bruch- oder Auwälder.

 

Des Weiteren bietet der Mammutbaum mit seinem als „Redwood“ vermarkteten Holz einen vielseitigen Baustoff sowohl für den Innenausbau als auch für den Außenbau.

 

Ökologie & Standort

Als charakteristische Baumart der luftfeuchten nordwestlichen Bergregionen Nordamerikas bevorzugt der Riesenmammutbaum milde Winter, windgeschützte Lagen und hohe Niederschläge zwischen 900 und 1.400 mm im jährlichen Durchschnitt, wobei im natürlichen Verbreitungsgebiet Schnee die häufigste Niederschlagsart darstellt. Dabei werden sehr feuchte Standorte besiedelt, vermehrt Auwälder. Optimal sind leicht saure, sandige Lehmerden. In der Nährstoffversorgung ist die Pflanze eher anspruchslos, hat aber einen erhöhten Lichtbedarf. Bodenbewegungen werden sehr gut kompensiert, der Mammutbaum ist in der Lage sein Wurzelwachstum an das Höhenlevel der obersten Bodenschicht anzupassen.

 

Das Wurzelsystem ist äußerst flach ausgebildet und dringt nicht tiefer als 1 m unter die Erdoberfläche. Allerdings ist es sehr weitreichend und kann bei sehr alten Bäumen einen Radius von 30 m betragen. Auffallend ist auch die ungewöhnlich dicke Borke, welche die älteren Bäume allerdings in sehr heißen und trockenen Phasen vor Waldbränden schützt. Für eine Nadelbaumart ungewöhnlich ist ebenso sein hohes Stockausschlagsvermögen.

 

Schadfaktoren

 

Komplementär zur andauernden Trockenheit in Kalifornien sind im natürlichen Verbreitungsgebiet nur Waldbrände problematisch, allerdings nur für sehr junge Riesenmammutbäume. Ohne Seitenschutz ist er auch empfindlich gegenüber Frost und Winterkälte.

 

In Deutschland gilt aber ein Jungwuchs-Befall durch Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule) als problematischer als Winterkälte und vor allem Waldbrände. Sonst gilt die Art als erstaunlich resistent gegenüber Pilzbefall und Schadinsekten.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

Forstwirtschaftliche Erfahrungen sind im Mitteleuropa sehr selten bis gar nicht vorhanden. Zur Pflanzung werden 3-jährige Sämlinge im 1,5 x 1,5 m Pflanzverband empfohlen. Im Anwuchs ist die Pflanze noch schattentolerant und benötigt Schirmschutz. Mit zunehmenden Alter sollte sie aber unter Erhalt des Seitenschutzes immer mehr, aber behutsam (Wasserreiser) freigestellt werden. Dann zeigen die Mammutbäume ihre beachtliche Wuchsgeschwindigkeit. Da die natürliche Astreinigung nur sehr schwach ausgeprägt ist, ist eine Wertastung zur Produktion von wertigem Holz notwendig.

 

Typischerweise vergesellschaftet sich der Riesenmammutbaum je nach Höhenlage mit diversen Tannenarten (Abies concolorAbies magnifica), der Weihrauchzeder (Calocedrus decurrens), der Douglasie (Pseudotsuga menziesii), der Gelbkiefer (Pinus ponderosa) oder mit diversen Eichenarten (Quercus kelloggiiQuercus chrysolepis). Er bildet als Klimaxbaumart, wie der Küstenmammutbaum auch, häufig Reinbestände.



Holzeigenschaften und Verwendung

Das harzfreie „Giant Redwood“, auch Rotholz genannt, besitzt einen rotbraunen, matt glänzenden Kern mit leicht violetter Tönung und einem weißen bis gelblich-grauen Splint. Wie die meisten Nadelhölzer besitzt das Holz des Mammutbaumes ein fein strukturiertes, gleichmäßiges Holz, in dem sich das Spätholz farblich deutlich vom Frühholz absetzt. Das Redwood gilt als leicht, besonders weich, dementsprechend leicht zu bearbeiten, wärmeisolierend, sehr feuchtebeständig und sehr widerstandsfähig gegenüber Pilz- und Insektenbefall.

 

Daher kann es sogar unbehandelt im Außenbau für Fassade, Tore, Zäune, Garagen, Verkleidungen, Dachunterschläge und Rahmenkonstruktionen verwendet werden. Im Innenausbau dient es als Ausstattungsholz für Einbaumöbel, Verkleidungen, Leisten oder Raumteiler. Weiterhin ist es ein geschätztes Klangholz für die Resonanzböden von bspw. Orgelpfeifen.


Bilder



Quellen

GD-Holz (2020): Redwood – Holz-ABC. https://www.holzvomfach.de/fachwissen-holz/holz-abc/redwood/.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.

 

Universität Göttingen (2020): Sequoiadendron giganteum – Riesenmammutbaum. https://www.uni-goettingen.de/de/sequoiadendron+giganteum+/+riesenmammutbaum/11050.html.

 

Weathersponn, C. P. (2020): Sequoiadendron giganteum (Lindl.) Buchholz - Giant Sequoia. USDA Service, https://www.srs.fs.usda.gov/pubs/misc/ag_654/volume_1/sequoiadendron/giganteum.htm.