Amerikanischer Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera)


Amerikanischer Tulpenbaum - Liriodendron tulipifera

 

Qualität: 1 j.v.S im QP 15

Herkunft: SHK Baden-Baden

Größe: 30-50cm  

 

Versandtermin: 13.10.2020 oder nach individueller Abstimmung

 

ab 4,07€

 

137,00 €

  • 7 kg
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Kurz und knapp

  • einer der wichtigsten Wirtschaftsbaumarten des östlichen Nordamerikas 
  • raschwüchsige und anspruchsvolle Lichtbaumart, welche eine intensive Pflege in der Jugendphase benötigt (konkurrenzschwach, bisher geringes Potenzial der Invasivität) 
  • wächst idealerweise auf nährstoffreichen, tiefgründigen und frischen Böden und bildet dort enorm geradschaftige Stämme 
  • reagiert auf phosphor- und stickstoffarmen Böden mit stark verringerter Wuchsleistung 
  • Integration in Eichenwälder möglich oder zur Ausbesserung von Bergahornverjüngungen (Acer pseudoplatanus)

 

Beschreibung

 

Der Tulpenbaum ist einer der forstlich wichtigsten Laubbaumarten des östlichen Nordamerikas. Er erreicht mächtige Dimensionen von 60 m Höhe und 3,5 m Stammdurchmesser und erreicht in den nordamerikanischen Urwäldern ein Alter von 700 Jahren. Darüber hinaus ist er durch seinen einzigartigen Blütenstand und seine gold-gelbe Herbstfärbung äußerst attraktiv, was ihn schon länger als Zierbaum in Mitteleuropa beliebt macht.  

Die Gattung Liriodendron war bis in die Kreidezeit auch in Europa und Asien verbreitet. In China existiert immer noch die Art L. chinense. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird sie wieder in Europa angebaut. In Deutschland wurden 1787 nachweislich erstmalige Versuchsanbauten vorgenommen. Die besten Herkünfte für Mitteleuropa sollen aus den Höhenlagen der südlichen Appalachen kommen (1.000 – 1.400 m). Gut erhaltene Tulpenbaum-Bestände gibt es bereits in Nordbaden, zwischen Karlsruhe und Baden-Baden und im Stadtwald Baden-Baden.

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft: 

 

Der Tulpenbaum besitzt eine hohe Standortsamplitude und konnte in einzelnen Anbauversuchen gut in die heimischen Waldgesellschaften integriert werden. Er wird gezielt als Alternative auf Eschenstandorten (Eschensterben) und als Verbesserung und Schutz von Bergahornverjüngungen (Acer pseudoplatanus) empfohlen. Durch ihre gut zersetzbare Blattstreu bildet sie günstige Humusformen und trägt somit zur Bodenverbesserung bei.  

Dazu ist er moderat dürretolerant, bei uns winterhart und sturmfest und damit potenziell für die kommenden klimatischen Veränderungen in Europa bzw. Deutschland gewappnet. Des Weiteren kann es sich als wichtiges Wirtschaftsholz etablieren, da es extrem viele Anwendungsgebiete vorweist (siehe Holzeigenschaften) und ein äußerst günstiges Wuchsverhalten vorweist (sehr geradschaftig, besitzt keine Lichtwendigkeit). Letzteres hat einen positiven Einfluss auf sein Konkurrenzverhalten, da der Baum nicht in andere Kronen hineinwächst. Es bestehen noch keine genauen Angaben zur potenziellen Invasivität des Tulpenbaumes, aber die bisherigen Erfahrungen aus der Praxis zeigte eine für die heimische Waldgesellschaften unproblematische Integrierung. 

 

 

Ökologie und Standort:

 

L. tulipifera ist eine sehr anspruchsvolle Lichtbaumart. Bevorzugt werden tiefgründige, lockere, gut drainierte, frische, nährstoffreiche Böden. Sind optimale Bedingungen gegeben, wächst sie äußerst schnell. Ungünstige bodenchemische Faktoren werden trotz schlechterem Wuchs toleriert, sie kann auch saure und kalkreiche Standorte besiedeln. In seiner Heimat wächst der Tulpenbaum mit Vorliebe in Niederungen entlang von Flüssen und zeigt die größte Leistungsfähigkeit an den sonnigen Berghängen der Appalachen (bis auf 1350 m). Hervorzuheben ist seine außergewöhnliche Geradschäftigkeit, welche selbst die der Fichte (Picea abies) übertrifft. 

Auf trockenen oder staunassen Böden gedeiht der Tulpenbaum nicht. Nährstoffarme Standorte werden ebenso gemieden. 

 

 

Schadfaktoren:

 

Zu den abiotischen Risiken gehört besonders die Spätfrostanfälligkeit, da der Tulpenbaum relativ früh austreibt. In Berglagen kann vor allem der Schneebruch gravierende Schäden verursachen. Auf windexponierte Lagen können zudem Kronendeformationen die Folge sein. Auch auf mechanische Schädigungen (z. B. Fäll- und Rückeschäden) reagiert er sehr empfindlich. 

In seiner Heimat hat der Tulpenbaum mehrere, allerdings keine nennenswerten Schädlinge. Diese treten meist bei Dürrestress oder Stammverletzungen auf und befallen seltener vitale Bäume. 

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung: 

 

In der Praxis hat sich die Bestandesbegründung mit 2 – 3-jährigen Pflanzen bewährt. Wie bereits erwähnt bietet sich der Tulpenbaum gut auf ehemaligen Eschenstandorten und zur Unterstützung von Bergahornverjüngungen an. Hier fällt vor allem die fehlende Lichtwendigkeit (Phototropismus) und das sehr gerade Wachstum von L. tulipifera ins Gewicht, wozu sie sich gut zur Ausbesserung von Lücken in anderen Mischbeständen (vorwiegend Laubbäume) eignet.  

Genaue Waldbauerfahrungen mit dem Tulpenbaum fehlen momentan noch. Eine Integration in aktuelle einheimische Waldgesellschaften wird aber als einfach angesehen. Mögliche Mischbaumarten wären die Eiche (Quercus robur; Quercus petraea; Quercus rubra) und die Birke (Betula pendula). 

 

 

Holzeigenschaften: 

 

Das Holz des Tulpenbaumes ist durch seine missführende Bezeichnung „Yellow Poplar“ etwas verschrien, bietet aber außerordentlich viele Verwendungsmöglichkeiten und ist nicht grundlos das zweitwichtigste Laubschnittholz der USA, welches in den letzten Jahren verstärkt exportiert wird.  

Als relativ leichtes und weiches Holz ist es gut bearbeitbar. Das Kernholz ist olivbraun und recht dauerhaft. Die Verwendung ist sehr vielfältig. Als Beispiele wird die Verwendung in der Innenausstattung, im Musikinstrumentenbau, in der Zellstoff- und Papierherstellung oder als Schäl- und Sperrholz genannt. 

 

 


 

Quellen:  

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2017): Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung. Forst BW. 

 

Mettendorf Bernhard (2016): Eingeführte Baumarten als Alternative zur Esche. AFZ-DerWald 08/2016, S. 13-17. 

 

Mettendorf, Bernhard (2016): Kurzportrait Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera). https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/wuh_liriodendron/index_DE. 

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6. 

 

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.