Traubeneiche (Quercus petraea)



 

Kurz und knapp

  • Mit der Rotbuche (Fagus sylvatica) die forstlich wichtigsten und häufigsten einheimischen Laubbaumarten
  • Bbenötigen zur optimalen Entwicklung ausreichend Sommerwärme und nährstoffreiche, tiefgründige, frische Lehm- bis Tonböden
  • Klimatisch weitgehend anpassungsfähig und tolerieren auch vergleyte sowie saure Standorte (Beispiel Spessart-Eiche)
  • Benötigen für die Wertholzerzeugung intensive Pflege (Wertastung) durch Verbissschutz und gezielte Bestandesregulierung (Nebenbestands- und Konkurrenzmanagement besonders bei der Rotbuche)
  • Die Traubeneiche erreicht etwas geringere Dimensionen und wächst auf trockeneren, weniger nährstoffreichen Böden als die Stieleiche 

 

Beschreibung

 

Zusammen mit der Rotbuche (Fagus sylvatica) sind die Stieleiche und die Traubeneiche die häufigsten und forstlich wichtigsten Laubbaumarten in Deutschland. Die Stieleiche kommt bis auf große Teile Skandinaviens, Süd-Spanien, Schottland und Sibirien überall in den kontinentalen Tieflagen von Europa bis ins nördliche Kleinasien vor. Die Traubeneiche besitzt ein kleineres Verbreitungsareal und fehlt z. B. in Osteuropa. Amplituden der Stiel- und der Traubeneiche kommen zwar häufig gemeinsam vor und bilden teilweise Hybride, unterscheiden sich aber in ihren bevorzugten Standorten. So kommt die Stieleiche bis auf 1080 m ü. NN vor, während die Traubeneiche auf bis zu 900 m ü. NN wächst.

 

Die Eiche erreicht durchschnittliche Höhen von 20 – 35 m (max. 50) und einen BHD von max. 3 m. Der Baum erreicht ein maximales Alter von 800 Jahren, ältere Bäume kommen allerdings gelegentlich vor.

 

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft

 

Die Eiche spielt nicht nur in der Wertholzproduktion eine wichtige Rolle, sondern besitzt auch eine beeindruckende ökologische Bedeutung. Auf keiner anderen einheimischen Baumart leben gemäß wissenschaftlicher Untersuchungen mehr Insektenarten. Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten und Säugetiere, für welche die Eiche nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle, sondern auch den Lebensraum darstellt. Die Erhaltung von Eichenbeständen sollte deshalb eine hohe Priorität haben.

 

Im Zuge des Klimawandels zeigten bisherige Untersuchungen, dass die einheimischen Eichen gut mit erhöhten Temperaturen zurechtkamen, längere Trockenperioden sich aber deutlich negativ auf die Blattentwicklung und Holzentwicklung auswirken können. Die Eiche zeigte sich zwar robust, flexibel und war zu einer schnellen Regeneration in der Lage, die tatsächlichen Auswirkungen sind allerdings noch ungewiss. Werden die Eichen auf optimal nährstoffversorgten Standorten mit einer guten Wasserhaltefähigkeit des jeweiligen Bodens gepflanzt, können sie länger andauernde Dürren besser kompensieren.

 

 

Ökologie und Standort

 

Klimatisch weitgehend indifferent kommt die Stieleiche in den sommerwarmen ozeanischen bis kontinentalen Tief- und Gebirgslagen vor. Die Standortsamplitude ist ebenfalls breit gefächert, die Stieleiche wächst auch auf nassen pseudovergleyten bis vergleyten Böden, wo sie eine starke Vertikaldurchwurzelung vorweisen kann (Pfahlwurzel). Später wird ein weitreichendes Herzwurzelsystem ausgebildet. Diese sehr nassen Standorte werden von der Traubeneiche hingegen gemieden, welche hingegen auf basenarmen und mittelgründigen Böden wächst. Optimal entwickeln sich beide Eichenarten aber auf nährstoffreichen, tiefgründigen, frischen bis feucht-lehmigen Tonböden. Dabei bevorzugt die Stieleiche wechselfeuchtere bis staunasse (z. B. Auen) und die Traubeneiche trockene bis frische Standorte.

 

Als typische Lichtbaumarten zeigen sie im Jungstadium ein rasches Wachstum und neigen zur Bildung einer großen Krone. Mit zunehmenden Alter nehmen Wuchsleistung und Kronenregeneration allerdings immer mehr ab. Freistellung sollten im Waldbau nicht plötzlich erfolgen, da die Eichen sonst Wasserreiser bilden.

 

 

Schadfaktoren

 

Die größten Anbauprobleme treten im juvenilem Stadium auf, wo die Eiche stark von Reh- und Rotwild verbissen und geschält wird. Bei akuten Schäl- und Verbissschäden können Schadorganismen (z. B. Eichenmehltau, Eichenmistel) die Eiche befallen, was zum Eichensterben führen kann. Verbissschutz ist also unerlässlich. Weiterhin gibt es blattfressende Insekten wie den Schwammspinner (Lymantria dispar), den Eichenwickler (Tortrix viridana) oder den Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Die Brennhaare der Raupen des Eichen-Prozessionsspinners können bei Menschen und Tieren eine akute Raupendermatitis hervorrufen. Ein Befalls-Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen sind besonders in Stadtwäldern und Parks unabdingbar.

 

Gegen abiotische Schädigungen zeigt sich die Eiche resistent.

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 

Der Waldbau mit der Eiche ist vielseitig, aber auch anspruchsvoll. Als besonders erfolgsversprechend gelten Begründungen von Eichenkulturen auf Freiflächen oder unter licht stehenden Altkiefern ohne eine dichte Nadelbaumverjüngung. In Fichtenaltbeständen kann die Eiche durch kleinere Kahl- oder Saumschläge (bis 1 ha) oder auf Störflächen eingebracht werden. Bei älteren Eichen im Bestand kann die Bildung von Naturverjüngungen durch Schirm- und Lochhiebe gefördert werden. In Deutschland überschneiden sich Buchen- und Eichenbestände sehr häufig. Hier muss die Eiche gezielt durch Pflegemaßnahmen gegenüber der konkurrenzstärkeren Buch gefördert werden. Hier bieten sich z. B. auf grundfeuchten bzw. grundfrischen, mäßig bis gut nährstoffversorgten Standorten ergänzende Beimischungen der Roteiche (Quercus rubra) an, die eine größere Konkurrenzkraft gegenüber der Buche zeigt und den Bestand stabilisiert.

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung:

  • Jungwuchsstadium (bis 3 m Oberhöhe): Bestandsschluss erhalten, bedrängende Mischbaumarten entfernen bei Berücksichtigung der zukünftigen Mischung
     
  • Differenzierungsstadium (bis 12 m Oberhöhe): Negativauslese durch Knicken bzw. Ringeln, Protzenregulierung, Feinerschließung bei unübersichtlichen Bestandesverhältnissen (Pflegepfade)
  • Auslesestadium (Oberhöhe 12 – 20 m): Auswahl von 80 – 120 Z-Bäumen je ha, Entnahme von Bedrängern, 2- 3 Eingriffe je Jahrzehnt
  • Ausreifestadium (ab ca. 20 m Oberhöhe): 1 – 2 Eingriffen je Jahrzehnt, ggf. durchstehende Buchen entfernen, Begründung eines Unterbaus (mit z. B. Hainbuche oder Buche), in der Vitalität nachlassende Bäume entnehmen
  • Hibsreife:  Die Eiche ist mit einem BHD ab 70 cm hiebsreif, für Naturverjüngungen sollten allerdings Vollmasten abgewartet werden

 

Holzeigenschaften

 

Das Kernholz der Eiche ist sehr wertvoll und in zahlreichen Industriezweigen äußerst gefragt. Hohe Festigkeitseigenschaften, gute Resistenzen gegen holzzerstörende Organismen und eine gute Dauerhaftigkeit machen das Holz sehr beliebt als Konstruktionsholz sowohl im tragenden Innen- als auch Außenbereich. Früher wurde es vermehrt im Fachwerkbau als tragende Komponente benutzt und ist auch heute noch ein ausgezeichnetes Bau- und Konstruktionsholz. Kombiniert mit der markanten Maserung und Farbgebung ist es eines der am häufig genutzten Hölzer im Ausstattungsbereich (Wohn-, Büro- Küchenmöbel, Wandbekleidungen, Parkett, Treppen). In der Reife von Wein, Cognac oder Whiskey werden Flüssigkeitsbehältnisse (Fässer, Bottiche) aus Eichenholz sehr geschätzt und gelten dort unter den Hölzern als konkurrenzlos.

 


 

Quellen

 

Bayrische Forstverwaltung für Wald und Forstwirtschaft (2019): Praxishilfe – Klima, Boden, Baumartenwahl. Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. LWF Wissen.

 

Bonfils, P.; Kuster, T.; Arend, M.; Junod, P.; Guenthardt-Goerg, M. (2013): Die Eiche ist robust. Wald Holz 94, 4: 27-31.

 

Bonfils, P.; Kuster, T.; Fonti, P.; Arend, M.; Vollenweider, P.; Junod, P.; Guenthardt-Goerg, M. (2013): Die Eiche reagiert plastisch. Wald Holz 94, 3: 45-49.

 

GD-Holz (2020): Eiche – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/eiche-1.html.

 

Häne, K. (2014): Die Traubeneiche. Der Baum des Jahres 2014. Schweizer Briefmarken Zeitung SBZ 4/2014, 147-150.

 

Hessenforst (2016): Hessische Waldbaufibel – Grundsätze und Leitlinien zur naturnahen Wirtschaftsweise im hessischen Staatswald. Februar 2016, HessenForst.

 

Klemmt, H.-J.; Neubert, M.; Falk, W. (2013): Das Wachstum der Roteiche im Vergleich zu den einheimischen Eichen. LWF aktuell 97, S. 28 – 31.

 

Niedersächsische Landesforsten (2019): Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten. Aus dem Walde – Schriftreihe Waldentwicklung in Niedersachsen, Heft 61. Niedersächsische Landesforsten, NW-FVA Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.