Libanon-Zeder (Cedrus libani)



 

Kurz und knapp

  • Relativ schnell wachsende, lichtbedürftige Nadelbaumart (bis 3 m Höhe in 10 Jahren) aus Südwest-Anatolien, Syrien und dem Libanon (bis 2.400 m ü. NN)
  • Sehr standortstolerant und anspruchslos, wächst aber nicht auf verdichteten, sehr nassen und anmoorigen Böden
  • Extrem robust gegenüber starken Dürren und sehr tiefen Temperaturen (bis -35 °C), wächst gut auf sehr kalkhaltigen und auch steinigen Standorten
  • Konkurrenzschwach, besitzt kein invasives Potenzial
  • Sehr gleichmäßiges Wachstum; bildet vollholzige, gerade Stämme und ein sehr vielseitiges, beständiges Holz mit hohen Festigkeitseigenschaften und hohem Kernholzanteil

 


 

Beschreibung

 

Die immergrüne Libanon-Zeder ist ein Nadelbaumgewächs aus dem Libanon, Syrien und den süd-südwestlichen Gebieten der Türkei (Taurusgebirge). Sie war im Altertum die wirtschaftlich wichtigste Baumart (vor allem im Schiffs- und Tempelbau). Die heutigen natürlichen Vorkommen sind durch den Jahrtausende andauernden Raubbau und die Übernutzung stark fragmentiert worden, viele Standorte in Syrien und im Libanon gelten nur noch als Reliktstandorte. Heute beträgt das Verbreitungsareal im Libanon nur noch 2.000 ha, ursprünglich waren es noch 500.000 ha. Mit ca. 100.000 ha erstreckt sich in Anatolien das größte Verbreitungsgebiet. Zusammen mit anderen, über das Land verteilten Flächen besitzt die Türkei mit aktuell 600.000 ha den größten Flächenanteil der Libanon-Zeder.

 

In Deutschland anfänglich als Parkbaum oder in botanischen Gärten angepflanzt, gibt es heute schon erste forstliche Versuchsanbauten in Bayern und Baden-Württemberg. In Italien und Frankreich wird die Anbauwürdigkeit der Libanon-Zeder schon seit längerem untersucht.

 

Der Baum erreicht im Optimum Höhen von 40 m, Brusthöhendurchmesser von bis zu 2 m und ein maximales Alter von 900 Jahren.

 

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft

 

Durch die hohe Trockenheitstoleranz und gleichzeitig hohe Kälteresistenz ist die Libanon-Zeder für die künftigen Wetterlagen im Klimawandel sehr gut gerüstet. Dabei stellt sie relativ wenig Ansprüche an den Boden. Bisherige Anbauversuche wiesen auf ein gutes Wachstum in mitteleuropäischen Breitengraden hin, es mangelt allerdings an Praxiserfahrungen. In Deutschland kann C. libani eine robuste und vielversprechende Alternative zur heimischen Fichte (Picea abies) sein. Einen weiteren Anbaugrund bietet das attraktive und vielseitig einsetzbare Holz, welches durch das gerade und gleichmäßige Wachstum der Zeder sehr gute Qualitäten vorweisen kann.

 

 

Ökologie und Standort

 

In seiner breiten Standortsamplitude wächst der Baum am besten auf tiefgründigen Kalkböden, die vorwiegend stickstoffreiche, gut drainierte und lehmige bis feinsandige Substrate vorweisen können. Ein Anbau auf verdichteten, sehr nassen Böden sollte zwar unbedingt vermieden werden, jedoch toleriert die Libanon-Zeder kurzzeitige Staunässe. Eine hohe Mortalitätsrate konnte auch auf flachgründigen Böden registriert werden, da sie typischerweise ein intensives Pfahlwurzelsystem mit einer 2 – 3 m langen Hauptwurzel ausbildet.

 

Die Libanon-Zeder ist eine Lichtbaumart und verträgt keine Beschattung. Auf optimalen Standorten ist die Höhenwuchsleistung vergleichbar mit der der Fichte (Picea abies), der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und der Europäischen Lärche (Larix decidua), während das Dickenwachstum höher ist (ca. 1 cm im Jahr).

 

 

Schadfaktoren

 

C. libani ist sowohl gegen biotische als auch gegen abiotische Schadpotenziale relativ unempfindlich. Einzig und allein die Spätfrostempfindlichkeit hängt von der Provenienz ab. Zedern aus dem Libanon wiesen bisher eine höhere Frostempfindlichkeit auf. In höheren Lagen ist die Zeder schneebruchgefährdeter. Zu feuchte oder verdichtete Standorte erhöhen die Gefahr eines Hallimasch-Befalls (Armillaria spp.).

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 

Ergebnisse aus Bayreuth zeigten eine gute Wüchsigkeit der Libanon-Zeder in Mitteleuropa, wo sie im Alter von 32 Jahren eine durchschnittliche Höhe von 10,6 m und einen BHD von 20,3 cm erreichen konnte. Dabei zeigten die türkischen Herkünfte (besonders aus der Ost- und Zentraltürkei) die beste Überlebensfähigkeit. Dies lag unter anderem an dem allgemein späterem Austreiben der Herkünfte aus der Türkei, womit diese weniger spätfrostgefährdet waren. Zusätzliche Versuchsanbauten wurden 2014 in Baden-Württemberg, in Nordrhein-Westfalen und in Weinheim begründet.

 

Bisweilen hat sich die Pflanzung 2-jähriger oder 3-jähriger Container-Sämlinge (ca. 40 cm hoch) im Frühjahr oder Herbst bewährt. Im Arnsberger Wald erfolgte die Pflanzung beispielsweise im Dreiecksverband mit 5 m Kantenlänge mit vorhergehender Flächenbearbeitung (Abzug des Rohhumus).

 

Konkretere Angaben zur Integration in heimische Waldgesellschaften bestehen noch nicht. Als mögliche Mischbaumarten auf trockenen und nährstoffreichen Böden werden aber Schwarzkiefer (Pinus nigra), Traubeneiche (Quercus petraea), Elsbeere (Sorbus torminalis), Bergulme (Ulmus glabra) und Spitzahorn (Acer platanoides) genannt.

 

 

Holzeigenschaften

 

Das Holz war bereits im Altertum äußerst begehrt, sodass es zu einer starken Übernutzung kam. Hier kam es intensiv im Tempel- und Schiffsbau zum Einsatz. Das Kernholz ist sehr wetterbeständig (vergleichbar mit Teak oder Robinie) und leicht zu bearbeiten. Es weist ein nur geringes Quell- und Schwindverhalten auf und besitzt dazu gute Festigkeitseigenschaften. Auch optisch ist es durch seine gelblich- bis rötlichbraune Färbung ansprechend. Der aromatische Duft bleibt bis mehrere Jahre nach dem Einschlag erhalten.

 

Hierzulande wird es, aufgrund der geringen importierten Mengen, fast ausschließlich in der Furnierindustrie genutzt. Die Verwendungsgebiete sind allerdings breit gefächert und reichen vom Ausstattungsholz (Möbel, Schiffsbau, Tischlerholz) über die Zellstoff- und Papierindustrie bis zum Konstruktionsholz (Dach- und Deckenkonstruktionen, Säulen und Wände).

 


 

Quellen

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2017): Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung. Forst BW.

 

Huber, G.; Storz, C. (2014): Zedern und Riesenlebensbaum – welche Herkünfte sind bei uns geeignet? LWF Wissen 74, S. 63 – 71.

 

Leder, B.; Von Wolff-Metternich, C. (2017): Kurzportrait Libanonzeder (Cedrus libani). https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/wuh_libanonzeder/index_DE.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.

 

Springer, S.; Frischbier, N.; Binder, F. (2019): Heute schon für morgen testen. LWF aktuell 123, S. 14-18.