Baumhasel (Corylus colurna)


Baumhasel - für 2020


Corylus colurna

Herkunft: ohne

Qualität: 1 j.v.S im Container 

Größe: 30-50cm

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  • 112 kg
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Baumhasel - für 2021


Corylus colurna

Herkunft: ohne

Qualität: 1 j.v.S im Container 

Größe: 30-50cm

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Kurz und knapp

  • Im Mittelalter extrem übernutzte Halbschattenbaumart mit natürlichem Verbreitungsgebiet auf der Balkanhalbinsel, im Kaukasus und im südöstlichem Teil Europas bis auf 2.000 m ü. NN
  • Sehr robust und standortstolerant, gewinnt zunehmend an Bedeutung als geeignete Baumart im Klimawandel
  • Verträgt Trockenheit, Frost und tiefe Temperaturen und besitzt eine hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber biotischen und abiotischen Schäden
  • Sehr wuchsstark (115 cm in 4 Jahren möglich) auch auf nährstoffarmen Standorten mit wenig Konkurrenz
  • Bildet einen geraden Schaft ohne Verzweigungen aus und besitzt ein sehr wertvolles Holz

 


 

Beschreibung

 

Die Baumhasel bzw. Türkische Hasel ist ein Birkengewächs, dessen natürliches Verbreitungsgebiet von Südost-Europa über den Balkan bis zum Himalaya (bis 2.000 m ü. NN) reicht. In Mitteleuropa ist der Baum seit dem 17. Jahrhundert nur als Park- oder Alleebaum bekannt und wird in nur sehr kleinem Umfang in Italien, Österreich und Deutschland wirtschaftlich angebaut. Die Bestände in den ursprünglichen Herkunftsgebieten sind ebenfalls stark dezimiert, da die Baum-Hasel aufgrund ihres wertvollen Holzes in den letzten Jahrtausenden völlig übernutzt und im Mittelalter sogar fast ausgerottet wurde.

 

Als Stadtbaum hat sie sich in den letzten Jahrhunderten bereits bewähren können, was auf eine gute Anpassungsfähigkeit an unsere klimatischen Bedingungen und eine hohe Immissionstoleranz hindeutet. Bisherige forstliche Versuchsanbauten in Deutschland (Bayern, NRW, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg) und Österreich zeigten äußerst vielversprechende Ergebnisse. In Hessen wird die Baum-Hasel seit 2010 bereits intensiv angebaut. Die für die Versuche ausgewählten Standorte waren allerdings frisch und nährstoffreich, ihr Potenzial auf ärmeren und trockenen Standorten in Mitteleuropa wurde bisher noch nicht ausreichend getestet. Jedoch wurde sie in ihrem Ursprungsgebiet zum großen Teil durch ihre schwache Konkurrenzkraft auf flachgründige, nährstoffarme und trockene Kalkböden verdrängt, auf denen sie gut gedeiht. In Rumänien existiert außerdem ein 30 ha großer Baumhasel-Bestand, welcher auf dem dort vorhandenen extrem trockenen Karst beachtliche Dimensionen erreicht. Mischbaumarten in diesen Bestand sind die Silberlinde (Tilia tomentosa), die Esche (Fraxinus excelsior), der Spitzahorn (Acer platanoides), die Vogelkirsche (Prunus avium) und die Wildbirne (Pyrus pyraster). Die Baumhasel scheint dort von allen genannten Baumarten am besten mit der Trockenheit zurechtzukommen.

 

C. colurna kann ein Alter 200 Jahren, Höhen von 30 m und einen BHD von bis zu 1,7 m erreichen.

 

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft

 

Nur wenige Laubbaumarten zeigen so viel Potenzial für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel wie die Baum-Hasel. Neben der extrem hohen Standortsamplitude besitzt sie eine hohe Trockenheitstoleranz, eine hohe Bodenpfleglichkeit, eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen biotische und abiotische Schäden, eine gute Überflutungstoleranz, ein schnelles Wachstum und ist frostunempfindlich. Durch ihr weitreichendes Wurzelsystem eignet sie sich auch hervorragend zum Erosionsschutz. Dazu gilt sie als konkurrenzschwach und ist somit nicht invasiv.

Bisherige in Mitteleuropa angebaute Versuchsflächen zeigen sehr zufriedenstellende Wuchsleistungen, sogar auf Extremstandorten wie Karst oder steinigen Kuppenlagen. Durch ihre gerade und zweigarme Wuchsform bietet sie neben ihrem Potenzial als bedeutende Baumart im Klimawandel auch noch ein sehr wertvolles Holz.

 

 

Ökologie und Standort

 

Die Baumhasel besitzt äußerst geringe Ansprüche an den Boden und bedient sich somit einer breiten Standortspalette. Sie besiedelt flache bis tiefgründige, trockene bis nasse, nährstoffarme bis -reiche Standorte und kann durch die Ausbildung einer kräftigen, 3 – 4 m tief wachsenden Pfahlwurzel auf sehr skelettreichen und wasserdurchlässigen Böden wachsen. Ausnahmslos gemieden werden extrem nasse und sehr ungünstige Wuchsbedingungen, welche auf extrem trockenen und sauren Standorten herrschen. Jedoch verträgt die Baumhasel monatelange Überflutungen. Für ein optimales Wachstum sind basische Böden (pH 6,6 – 8) am geeignetsten.

C. colurna bedarf vorwiegend kontinentales Klima, wächst als wärmeliebende Pflanze gerne auf sonnigen Hängen und auch im mediterranen Klimabereich. Trotz des Wärmebedarfs ist sie auch beispielsweise in den Karpaten, wo im Winter ein eisiger Ostwind und wochenlange Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt herrschen.

Trotz des raschen Jugendwachstums ist die Konkurrenzkraft der Baumhasel nur gering. Gegen die Rotbuche (Fagus sylvatica) kann sie sich nicht behaupten.

 

 

Schadfaktoren

 

Durch die sehr hohe Widerstandsfähigkeit der Baumhasel sind bisher keine nennenswerten biotischen Schädlinge bekannt. Lediglich der Hallimasch (Armillaria spp.) bei älteren Bäumen, Blattbräunepilze mit dem Vektor Phylosticta coryli oder Triebschwächepilze wie Diaporthe decedens wurden beobachtet, zeigten allerdings keinen schweren Befall. Verbissschäden können auftreten, sodass Schutz in der Jugendphase nötig ist.

Die Spätfrostgefährdung ist gering, da die Baumhasel sehr früh austreibt. Durch das starke Wurzelsystem ist der Baum äußerst sturmfest. Die Schneebruchgefahr ist niedrig.

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 

Ein wirtschaftlicher Waldbau mit C. colurna besteht noch nicht, allerdings können durch die inzwischen zahlreichen Versuchsanbauten klarere Aussagen zur Bestandesbegründung getroffen werden.

 

  • Herkunft: bisher wird die Saatgutversorgung hauptsächlich durch Park- und Straßenbäume abgedeckt. Kontakte zu den Saatguthändlern der Herkunftsländer sollten zukünftig ausgebaut werden

  • Pflanzung: zur Pflanzung werden Sortimente von 50 – 80 cm Höhe empfohlen, welche vor dem 1. April oder im Herbst in die Erde gebracht werden sollten (frühes Austreiben der Baumhasel!). Möglich sind sowohl Eng- (z. B. 3 x 1 m) als auch Weitverbände (bis 6 x 6 m) im Bestand oder auch auf Freiflächen. Höhere Pflanzabständen erfordern durch Konkurrenzvegetation und Unkraut mehr Pflege, sind aber auf Buchenstandorten besser geeignet, wo sich die Konkurrenzvegetation zum größten Teil auf Brombeeren, Holunder und Weichlaubhölzer beschränkt und die Pflanzen nicht intraspezifisch um Licht kämpfen müssen. Es empfehlen sich besonders Nesterpflanzungen (13 – 24 Stk. Pro Nest) im Abstand von 15 m mit der Baumhasel, um lückige Kulturen auszubessern
     
  • Pflege: Schutz durch Wuchshüllen und Mulchplatten sind vorteilhaft gegen Begleitwuchs. In Engverbänden und Nesterpflanzungen kann auf Wertästungen verzichtet werden, bei Weitverbänden muss grün geastet werden, da ungenügender Dichtstand das natürliche Absterben der Äste nicht gewährleistet. Die Pflegekosten sind bei eng stehenden Pflanzen also geringer

 

Die Baumhasel verfügt über eine sehr gute Mischungsfähigkeit. So werden als mögliche Mischbaumarten Rotbuche (Fagus sylvatica), Traubeneiche (Quercus petraea), Spitzahorn (Acer platanoides), Elsbeere (Sorbus torminalis), Hainbuche (Carpinus betulus), Edelkastanie (Castanea sativa) und Ungarische Eiche (Quercus frainetto) genannt. Als Beimischung eignet sich die Winterlinde (Tilia cordata). Sie kann auch in Fichten- (Picea abies) bzw. in Kiefernbeständen (Pinus sylvestris) vorangebaut werden.

 

 

Holzeigenschaften

 

Das gleichmäßige, lichtbraune bis hellrötliche Holz ist mittelhart, elastisch, mäßig bis nicht dauerhaft und besitzt eine ausgeprägte, ansehnliche Maserung. Die Bearbeitbarkeit ist hervorragend. Verwendet wird das „türkische Haselnussholz“ zur Wertholzproduktion, besonders zum Möbelbau und in der Furnierherstellung. Im 18. Jahrhundert war es neben der Eibe das beliebteste Möbelholz, weswegen es, wie auch die Eibe (Taxus baccata), übernutzt wurde und heute nur noch selten im Holzhandel vorkommt. Des Weiteren eignet es sich auch als Rohstoff für die Span- und Faserplattenindustrie sowie als Brennholz. 

 


 

Quellen

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2017): Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung. Forst BW.

 

Mettendorf, B. (2016): Eingeführte Baumarten als Alternative zur Esche. AFZ-DerWald 08/2016, S. 13-17.

 

Richter, E. (2012): Baumhasel – Ein Baum für den Klimawandel?! AFZ Der Wald 8/2012, S. 8 – 9.

 

Richter, E. (2014): Ein Stadtbaum für den Wald? Baumhasel statt Roteiche. Wald Holz 95, 4: 40-42.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Ruhm, W. (2013): Die Baumhasel – trockenresistent und wertvoll. Die Landwirtschaft, Oktober 2013: 22 – 23.

 

Šeho, M.; Huber, G.; Frischbier, N.; Schölch M. (2017): Kurzportrait Baumhasel (Corylus colurna L.). https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/wuh_baumhasel/index_DE.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.