Roteiche (Quercus rubra)


Roteiche - 2020


Quercus rubra

Herkunft: ohne

Qualität: 2-jährig 1/1im Container 

Größe: 30-50cm

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0,00 €

  • 7 kg
  • leider ausverkauft

Roteiche - für 2021

 

Quercus rubra

Herkunft: ohne

Qualität: 2-jährig 1/1im Container 

Größe: 30-50cm

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Kurz und knapp

  • Wüchsige Laubbaumart, welche im Nordosten-Osten Nordamerikas ein riesiges Verbreitungsgebiet bis 1.600 m ü. NN besitzt
  • Anspruchslos: zeigt auch auf Standorten mit mäßiger Nährstoff- und Wasserversorgung immer noch gute Wuchsleistungen
  • Resistenter gegenüber Schadorganismen, schattenverträglicher und zuwachsstärker als die bei uns heimischen Eichenarten
  • Wird als nicht invasive Baumart eingestuft, welche sich gut in heimische Mischbestände etablieren lässt
  • Holz besitzt ähnliche Festigkeitseigenschaften wie das heimische Eichenholz, ist allerdings weniger dauerhaft

 


 

Beschreibung

 

Mit 0,5 % (Stand 2012) ist die Roteiche die am häufigsten vorkommende eingeführte Laubbaumart in  Deutschland, was einer Fläche von ca. 55.000 ha entspricht. Aus ihrem natürlichen, riesigen Verbreitungsgebiet im Osten Nordamerikas, wurde sie erstmalig 1681 nach Europa (Schweiz) als erste amerikanische Eichenart importiert und zunächst als Parkbaum gepflanzt. Nach mehreren forstlichen Anbauperioden zwischen dem 18. Und 20. Jahrhundert hat sie sich letztendlich als anbauwürdig erwiesen. Gute Beispiele für den Anbauerfolg bieten hier bspw. der Roteichenbestand im Lübecker Stadtwald, welcher sich, 1846 begründet, bereits in der dritten, naturverjüngten Generation befindet, oder Bestände in NRW, wo einheimische Eichenarten gezielt durch die immissionstolerantere Roteiche ersetzt wurden.

 

Im Vergleich zu den einheimischen Stiel- (Quercus robur) und Traubeneichen (Quercus petraea) gilt sie als raschwüchsiger, anspruchsloser, schattentoleranter und resistenter gegenüber biotischen und abiotischen Schadrisiken. Allerdings wird die Holzqualität als geringer im Vergleich zum heimischen Eichenholz eingestuft.

 

Die Roteiche wird 30 – 50 m hoch bei einem BHD von bis zu 2 m und einem maximalen Alter von 400 Jahren.

 

 

Potenzielle Rolle im Klimawandel und im Wald der Zukunft

 

Q. rubra weist mit ihrem großen natürlichen Verbreitungsareal auf eine große Standortsamplitude und klimatische Anpassungsfähigkeit hin. Darüber hinaus konnten bisherige Anbauversuche gute Wuchsleistungen auf sowohl basischen als auch schwach sauren Standorten nachweisen.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Gastbaumarten, die in ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten zahlreiche Schädlinge aufweisen, ist die Roteiche sowohl in Nordamerika als auch in Europa äußerst robust. Auch gegen abiotische Widrigkeiten wie Sturm und Dürre erweist sie sich als sehr widerstandsfähig. Auf Freiflächen ist sie anfällig gegenüber Spätfrost, ist aber zu einer schnellen Regeneration durch schnelle Wiederaustriebe in der Lage.

 

Trotz ihr hohen Vermehrungsrate gilt sie als nicht invasiv, da ihre Ausbreitung durch das Abfallen der Eicheln nur kleinflächig ist und einfach gemanaged werden kann. Mittlerweile bietet sie im Vergleich zur Rotbuche (Fagus sylvatica) auch mehr Insektenarten einen Lebensraum, darunter auch sehr seltene Arten wie dem Hirschkäfer. Der einzige ökologische Makel ist ihre relativ langsame Streuzersetzung, was auf mäßig nährstoffversorgten Standorten zu moderartigen Humusformen führt. Hier fehlen offenbar auf die Roteichen-Streu spezialisierten Bodenorganismen aus Nordamerika.

 

Im wirtschaftlichen Vergleich zu den heimischen Eichen bietet die amerikanische Alternative ein „schnelleres“ und von den Festigkeitseigenschaften gleichwertiges Holz, welches allerdings schlechtere Qualitäten liefert.

 

 

Ökologie und Standort

 

Bevorzugt werden schwach saure, tiefgründige, frische bis mäßig trockene, gut drainierte sandige Lehme in Tieflagen bis zu nord- oder ostexponierten Plateaus. Es werden allerdings nahezu alle Standorte, bis auf sehr kalkreiche und staunasse Böden toleriert.

 

In der Jugend ist bei der Roteiche ein rasches Höhenwachstum zu verzeichnen, auf guten Böden sind bis zu 86 cm pro Jahr möglich. So kann im Alter von 100 Jahren ein Höhenvorsprung von 11 – 14 m gegenüber gleichaltrigen einheimischen Eichenarten erreicht werden. Zusammen mit ihrer Schattentoleranz gilt sie in heimischen Wäldern als konkurrenzstark, sogar gegenüber der Rotbuche (Fagus sylvatica).

 

Wie die einheimischen Eichenarten bildet sie zunächst ein Pfahl-, später ein tiefes, dichtes Herzwurzelsystem aus.

 

 

Schadfaktoren

 

In Deutschland zeigten sich die bisher angebauten Roteichen-Bestände als gering anfällig gegenüber biotischen Schadrisiken im Vergleich zu den heimischen Eichenarten. Hervorzuheben wäre hier die Resistenz adulter Bäume gegenüber den Eichenmehltau und die bisherige Robustheit in der Verjüngungsphase. Ist die Roteiche bestimmten Stresssituationen und abiotischen Schadereignissen ausgeliefert, können Krankheiten wie die Eichenwelke (Ceratocystis fagacearum) und Pezicula-Krebs („Zimtscheibe“, verursacht durch Stereum rugosum) häufig vorkommen. Im Herkunftsgebiet bestehen allerdings vielerlei Schaderreger, welche auf die Roteiche spezialisiert sind und zum Teil auch große Schäden verursachen können. Darunter fallen vor allem Eichelwickler, Eichelbohrer und einige Pilz- und Bakterienerkrankungen.

 

Die Verbissgefährdung ist wie bei den heimischen Eichenarten sehr hoch. Besonders im Sommer zeigt die Roteiche nach Verbissschäden ein eher schlechtes Regenerationsvermögen. Ebenso sind die Sämlinge durch Nagetiere und Wildschweine wurzelfraßgefährdet. Verbissschutzmaßnahmen sind also unbedingt notwendig.

 

Q. rubra erweist sich als sehr resistent gegenüber abiotischen Schadfaktoren. Wie bei allen Gastbaumarten sind hier allerdings die Herkünfte zu beachten, da sich z. B. die westlichen Herkünfte Nordamerikas als dürretoleranter zeigen.

 

 

Waldbauliche Behandlungsempfehlung

 

  • Bestandesbegründung: Dichte Pflanzung (Verband 1 x 1, 1 x 1,5 oder 2 x 0,75) von 5000 Stk./ha, trupp- bis horstweise bei gleichzeitiger Einbringung von Misch- bzw. dienender Baumarten (Rotbuche, Hainbuche, Linde) oder Beimischung in Buchenbeständen bei ausreichender Lichtversorgung
     
  • Jungwuchsstadium: Weniger Eingriffe nötig als bei heimischen Eichenarten (schnelleres Wachstum = stärkere Selbstdifferenzierung), Überwachung und Eindämmung der Begleitvegetation (Brombeeren, Pionierbaumarten), Verbissschutz unbedingt notwendig!

  • Dickung (Läuterung): Negativauslese von Protzen und schlechten Wuchsformen

  • Z-Baumauswahl (14 – 16 m Oberhöhe): frühe, gestaffelte Hochdurchforstung (alle 4 – 5 Jahre bis zum Bestandesalter 50) mit anfänglich vorsichtigen Eingriffen (allmähliche Kronenentwicklung), 120 Z-Bäume je Hektar

 

Eine Zielstärkennutzung kann bereits mit einem Bestandesalter von 50 – 60 Jahren erfolgen mit BHDs von ca. 60 cm. Als Mischbaumarten bieten sich Schattenbaumarten bzw. dienende Baumarten an wie z. B. Rotbuche (Fagus sylvatica), Hainbuche (Carpinus betulus) oder Winterlinde (Tilia cordata).

 

 

Holzeigenschaften

 

Das Kernholz der Roteiche ist wie das einheimischen Eichenarten sehr wertvoll und in zahlreichen Industriezweigen gefragt. Hohe Festigkeitseigenschaften machen das Holz sehr beliebt als Konstruktionsholz im tragenden Innenausbau. Kombiniert mit der markanten Maserung und Farbgebung ist es ein häufig genutzten Holz im Ausstattungsbereich (Wohn-, Büro- Küchenmöbel, Wandbekleidungen, Parkett, Treppen). Im Gegensatz zum heimischen Eichenholz ist es allerdings weniger dauerhaft gegenüber holzzerstörenden Pilzen und eignet sich nicht für die Herstellung von Flüssigkeitssbehältern (Fässer, Kübel, Bottiche).

 


 

Quellen

 

Bayrische Forstverwaltung für Wald und Forstwirtschaft (2020): Praxishilfe, Band II – Klima, Boden, Baumartenwahl. Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. LWF Wissen.

 

Burkardt, K. (2017): Portrait fremdländischer Baumarten – Quercus rubra. https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/kurzportrait-roteiche-quercus-rubra-l.

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2017): Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung. Forst BW.

 

GD-Holz (2020): Eiche – Holz-ABC. https://www.gdholz.net/holz-abc/eiche-1.html.

 

Göttinger Forstwissenschaften (2015): Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten – Baumartenportraits mit naturschutzfachlicher Bewertung. Universitätsverlag Göttingen, Band 7.

 

Klemmt, H.-J.; Neubert, M.; Falk, W. (2013): Das Wachstum der Roteiche im Vergleich zu den einheimischen Eichen. LWF aktuell 97, S. 28 – 31.

 

Mayer, J.; Baumhauer, C.; Schabel, A. (2017): In die Zange genommen: Der Hirschkäfer an Roteiche. FVA-einblick 3/2017, S. 15-17.

 

Roloff, A.; Bärtels, A. (2008): Flora der Gehölze – Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Verlag Ulmer, 4. Auflage. ISBN: 978-3-8001-8246-6.

 

Ruhm, W. (2013): Die Roteiche, wüchsig und attraktiv. Die Landwirtschaft 5: 32-33.

 

Seidel, J.; Kenk, G. (2003): Wachstum und Wertleistung der Eichenarten in Baden-Württemberg. AFZ-Der Wald, 1, 28-31.

 

Šeho, M.; Janßen, A. (2019): Alternativbaumarten im Klimawandel. LWF aktuell 123, S. 19-22.

 

Schütt, P.; Schmuck, H. J.; Stimm, B. (2013): Lexikon der Baum- und Straucharten – Das Standardwerk der Forstbotanik. Nikol Verlag, 2. Auflage. ISBN: 978-3-86820-123-9.